02.08.2013

Wo ist der akademische Stolz geblieben?

In Zeiten überfüllter Universitäten durch doppelte Abiturjahrgänge, den Abfall von Wehr- und Zivildienst und dem Volksglaube, jeder bräuchte ein Studium, da unserem Land die Akademiker fehlen, fragt man sich: Macht ein Studium einen zum Akademiker?

Schon Friedrich Georg Jünger beklagt in seinem „Erinnerungsbuch“ Grüne Zweige, die Studenten enttäuschen ihn, zerstören das Ideal, dass er von den Besuchern eine Akademie habe. Diese Kritik an der Situation zur Zeit der Weimarer Republik ist heute umso schärfer zu formulieren, da wir uns der kritischen Masse des Ertragbaren annähern. Alle wollen studieren. Nein, alle wollen einen Wisch mit einem akademischen Titel in der Tasche haben, studieren will heuer kaum einer mehr. Man schreibt sich ein für Betriebswirtschaftslehre und Mediendesign, oder, wenn man einfach keine Idee hat, Philosophie. Die Folgen sind von Desinteressierten überfüllte Hörsäle, lästige Grundsatzfragen und Studenten, die statt an Wissenserwerb von klein auf an Karriere denke, gestützt von einem System, dass genau diese Haltung auch noch fördert.
Es ist nicht nur der Ausdifferenzierung der Wissenschaften und ihrer jeweiligen Detailfülle und auch nicht den modularisieren Studiengängen, die einem kaum Wahl lassen, allein zu verdanken, dass unsere Zeit keine Universalgelehrten und -genies mehr hervorbringt, sondern auch der Haltung der Studenten selbst: jene Lustlosigkeit, sich einen Überblick zu verschaffen über die Disziplinen, unabhängig von der eigenen. Das ist es, was den Akademiker vom Absolventen einer Hochschule unterscheidet. Was hält den Physiker davon ab Foucault, was den Germanisten Darwin, was den Juristen Jung zu lesen? Ab und an das passende Bibelwort, Goethe- oder Hessezitat hat heuer kaum einer mehr. Schlicht: Grundlegende kulturelle Allgemeinbildung hat sich rar gemacht. Selbst die alteingesessenen Studentenverbindungen, die nach wie vor ihr konservatives Fähnchen in den Wind halten, haben die Balance zwischen Kneipen und akademischen Diskussionen verloren.

Die Ökonomisierung des Studiums auf allen Ebenen ökonomisiert die Studenten und ihr Denken, so dass für die Karriere Wissen und Bildung auf der Strecke bleiben. Das Phänomen hat einen Namen: Es ist der Verlust des akademischen Stolzes. Jener Einstellung, dass man im Zustand des Studierens lebt; nicht der Job, den man einmal haben wird, zählt, sondern das Gespräch unter Freunden und Kommilitonen über die Lektüre des Vortages. Weiter als bis zum nächsten Flohmarkt, auf dem man wieder neue Bücher und Platten abstauben kann, muss man vorerst nicht an die Zukunft denken. Wenn das Land so an Akademikern mangelt, dann soll es Bücherpakete und Freikarten für Museen und Konzerte vergeben, keine Karrierecoachings.

Bleibt die Frage: Wo ist der akademische Stolz geblieben? Man kann seinen Verlust „der Regierung“ in die Schuhe schieben, ihre Gründe sollten nachvollziehbar sein. Wer Ideologisch argumentiert mag vielleicht die 68er und ihre Erben anklagen, doch diese sind immerhin politisch gebildet und ihr revolutionärer kulturwissenschaftlicher Ansatz kann als letzter Versuch gelten, das Wahrnehmungsspektrum auszudehen. Nicht zu verleugnen ist der Zusammenhang mit der Auflösung des Bildungsbürgertums in das Bürgertum, die Radikalisierung mit der mobilen Digitalisierung. Doch wie passt das mit dem zusammen, was Jünger bereits in den 20er Jahren beobachtet? Vielleicht liefert er selbst die Antwort, weiß es nur nicht, in seinem Buch Die Perfektion der Technik.
Es bleibt nur zu sagen, dass mehr Studenten noch keine Akademiker machen, ungeachtet dessen, wie inflationär und euphemistisch das Wort gebraucht wird.

02.04.2013

Gedanken zum Roten Werk von Menegroth

„Lass edle Wut aufkochen wie eine Welle. Es herrscht ein Menschenkrieg, ein heiliger Krieg!“ - Ein Black Metal Album, für das eine Aufnahme des Rote Armee Chors als Intro dient hört man nicht alle Tage, wenn dann auch noch Hammer und Sichel das Cover zieren ziehen instinktiv die meisten, selbst noch so politisch Unkorrekte, den Schwanz ein. Menegroth haben etwas geschafft, worauf man im heutigen Black Metal unglaublich stolz sein kann: sie haben tatsächlich provoziert, und gar die Szene selbst. Mit Das Rote Werk liefern die Schweizer ein Album auf einem intellektuellem Niveau, welches man im politischen Black Metal sonst vergeblich sucht; ein Niveau was man sonst nur von Antitheologen wie Deathspell Omega in der religiösen Sparte findet. Liest man Reviews und verfolgt sonstige Reaktionen auf das Album zeigt sich auch sofort, dass der gewöhnliche Black Metal und/oder NSBM-Fan damit weitestgehend überfordert ist (und sowieso gilt nur rechts als cool und wer ein wenig in linken Vorstellungen schwelgt wird automatisch zum Buhmann). Zu tief gräbt das Album in der politisch-philosophischen Kiste und fördert dabei vor allem etwas zu Tage, was selbst so manchen Experten diesen Gebietes zur Weißglut treibt: Ernst Jüngers Der Arbeiter.
Doch bevor die tiefgehende Interpretation beginnt sei ein grober Überblick gegeben.
Zwölf Stücke vereint Das Rote Werk, welche den ideengeschichtlichen und realhistorischen Ablauf der Entstehung und Etablierung der Sowjetrepublik Russland metaphorisch überzeichnet darstellen. Von Jüngers Vorstellungen des Arbeitertypus über die Oktoberrevolution, hin zur Machtübernahme Stalins und den damit einhergehenden Verrat der kommunistischen Idee.


Mit Der STAHLinistische Arbeiter liefert Texter Marinetti eine, für einen Black Metal Text, hervorragende Zusammenfassung des jungen Jüngers Hauptwerkes. Strophe für Strophe, gar Zeile für Zeile findet ihr Äquivalent auf einer der 300 Seiten. Der Typus des Arbeiters entspricht dem „geborenen Pionier einer neuen Landschaft“ schreibt Jünger, ein Typus der aus der titanenhaften Mechanisierung der Moderne das bürgerliche Individuum vertreibt. Bei Menegroth hört sich das so an: „Schmilzt er die Stände in sich ein, / gebiert daraus eine neue Welt: / ein eiserner Adel will geboren sein / unter einem LED-Himmelszelt. // Der Arbeiter aus Stahl ist zum Kampf bereit, / denn nieder geht die alte Zeit! / In feuerroten Flammen / alles bürgerliche verdammen!“ Der Arbeiter ist Typus, ist eine uniforme Maske und „in dieser Maskenhaftigkeit, die bei Männern einen metallischen [...] erweckt“ zeichnen auch Menegroth ihren Arbeiter. „'Ja' zu sagen zum Nidergang, / zur auflösung der Klassen, / zum egalitären Massendrang, / zur Vermischung der Rassen! // Bis eine neue Welt sich formt, / ein neuer Adel entsteht, / Ungleichheit sich neue Werte normt / und ein neues Banner weht!“ ist die lyrische Entsprechung von: „Erst die völlige Zersplitterung, das Sinnloswerden der alten Gefüge macht es möglich, daß die Wirklichkeit eines anderen Kraftfeldes in Erscheinung tritt.“ Und einige Seiten weiter, dass „Rasse innerhalb der Arbeiterlandschaft mit biologischen Rassebegriffen nichts zu schaffen hat. Die Gestalt des Arbeiters mobilisiert den gesamten Bestand ohne Unterschied.“ Was auf den ersten Blick wie marxistische Theorie aussieht, kommt eigentlich aus ganz anderer Richtung.

Rote Revolution setzt von der Außenwirkung ebenfalls hier an. Stärker noch sieht es nach klassischem Sozialismus aus, doch gibt direkt die erste Zeile die eigentliche Richtung vor: „Roter Merkur offenbart sich uns“. - Wir befinden uns in der Alchemie, bei den bisherigen Evola-Einflüssen im Werke Menegroths nicht verwunderlich. Der historische Vorgang der Oktoberrevolution wird alchemistisch ausgelegt und weicht damit ab von der Glorifizierung der sozialistischen Revolution in ihrem politischen Lager, nicht nur weil der marxistische Materialismus durchbrochen wird, auch weil diese historische Betrachtung keine wertende ist sondern die Konsequenz der Materialisierung der Idee zum Hintergrund hat; „Magie ist Physik durch Wollen“, der Wille zur Macht, dies ist der Diskurs in dem sich dieses Stück bewegt.

Diesen Kommentar setzt Sowjetische Nächte fort und bringt erstmals eine sexuelle Komponente ins Spiel, die später noch wichtig wird. Kampf, Sex und Alkohol, die Trinität des Rausches, wird besungen, was erneut Jünger ins Gedächtnis ruft, diesmal mit Der Kampf als inneres Erlebnis sowie der berühmt-berüchtigen Burgunderszene der Strahlungen (fast wie eine Illustration dieser Szene sieht auch das Booklet an dieser Stelle aus, wobei dies wohl eine persönliche Überinterpretation ist).

Marxistische Mysterien treibt es auf die Spitze. Wenn Stalin und Lenin Techno-Nekromantie in einem antiken Tempel zwischen Tesla-Spulen und Räucherschalen betreiben um Marx zu neuem Leben zu erwecken fragt man sich, ob man das noch ernst nehmen kann. Aber ja, innerhalb des Ideenkosmos dieser Band ist das möglich und nur berechtigt, denken wir daran, dass sie (die Band, nicht Stalin und Lenin, versteht sich) auf dem vorigen Album auch mit Reichsflugscheiben durch Nebel und Kometenstaub geflogen sind. Hier zeigt sich erstmals offensichtlich die eigentliche Intention des Konzeptes: die Bloßstellung, wie unreflektiert Kommunisten ihre historischen Persönlichkeiten glorifizieren. Zugleich kristallisiert sich mehr und mehr eine interessante Alternative: Die Symbiose aus Alchemie und der bolschewistischen Lehre, aber nicht in der pervertierten Halbherzigkeit des Nationalsozialismus sondern auf dem philosophischen Niveau eines Alexander Dugins. „Es lodern die Flammen /zum letzten Gefecht! / Hörst die Signale / Völker dieser Welt! // Aus Ruinen auferstanden: / Diese Welt soll unser sein!“ So endet das Stück und zitiert mit der Internationalen und Auferstanden aus Ruinen nun auch munter aus kommunistischem Liedgut, was sich hervorragend in den Kontext im Sinne obiger Interpretation einbettet.

Wo nun die Sowjetrepublik installiert ist, kommt es zum Wendepunkt des Albums. Hier, im Zentrum, befindet sich ein Ambientstück, dessen Titel aus den astrologischen Zeichen für Merkur und Sonne, sowie einem alchemistischen Symbol für Schwefel besteht. Ein Aphorismus des kolumbianischen Denkers Nicolás Gómez Dávila wird geboten: „Die moderne Gesellschaft erniedrigt sich mit solcher Schnelligkeit, dass wir an jedem neuen Morgen mit Nostalgie des Gegners von Gestern gedenken. Die Marxisten fangen schon an, uns als die letzten Aristokraten des Okzidents zu erscheinen.“ Dieses Zitat wirft die Schatten des Stalinismus voraus, der nach einem ratadierenden Moment sich bald seinen Weg bahnen wird; ein Schatten, der einem das leninistische Sowjetrussland nostalgisch erscheinen lässt, in dessen Vorzügen man noch eine Weile schwelgen kann.

Roter Phallinismus bildet einen Teil dieses Schwelgens, des retardierenden Moments, und zugleich das, was, wie ich finde, auf keinem guten Black Metal Album fehlen darf: Ein Lied über Sex. Wie bereits einmal erwähnt spielt Sexualität eine Rolle hier und in diesem Stück manifestiert sie sich in wunderschönen Metaphern und tantrischen Aspekten. Der Sexualakt als die Verschmelzung des männlichen und weiblichen Prinzips bildet ohnehin einen alchemistischen Grundsatz, der auch hier wieder um die mechanisierte Komponente erweitert wird. Das Booklet illustriert das Stück mit einer futuristischen Leninstatue, die in ihrer Erhabenheit vor phallischer Symbolik strotzt. Nur ist auch Lenin nicht omnipotent und schon wieder drängt sich der stalinistische Schatten auf, der nur darauf zu warten scheint, dass das Glied erschlafft. Interessant ist in diesem Stück übrigens auch ein musikalisches Experiment: zur Mitte hin kommt ein grandioser Jazz-Part der sich sehen bzw. hören lassen kann und die Rauschhaftigkeit des Stückes hervorragend unterstützt.

Red Lion Pub schreitet voran zum Stalinismus. Noch im Rausch schwelgend wird der Bolschewismus zum Löwen, den zu bändigen nicht jeder vermag. Immer wenn es um Macht geht, geht es um die Vermehrung dieser, bzw. die Konzentration dieser auf einen kleinen Personenkreis. „Nigredo – Albedo – Rubedo“ heißt es hier, „schwarz – weiß – rot“ in unserer Sprache. In Deutschland kommt Hitler an die Macht, Nationalbolschewismus ist mit Stalin en vogue, Trotzki ist die Weltrevolution dennoch wichtiger. „Vollendet ist das rote Werk!“ schließt das Stück. Alles was nun kommt, ist anders. Trotzki wird im Exil getötet.

In diesem Geist steht auch das folgende Intermezzo, die Kosakenballade Nachts steht Hunger, deren letzte Strophe wohlgemerkt ausgelassen wird. Zurecht, denn „das Heer, dass keine Heimat hat“ ist tot, den Säuberungen zum Opfer gefallen, so wird das Lied zum Schwanengesang eines einsamen alten Kämpfers dessen Identität unklar bleibt. Ist er ein alter Leninist, gar Trotzkist, oder doch im Sinne des Liedes ein „Weißer“ aus Zarenzeiten?

Tanks'n'Roses zeigt die Wende. Hinter der Metapher des „Baron vom weißen Heer“ verbirgt sich Stalin der sich aufschwingt zum Sowjetdiktator und sich damit in die Tradition des Zaren stellt, die Diktatur des Proletariats unterbindet und nur neues Leid, neuen Krieg bringt. Noch weiter interpretiert kann die Metapher auch eine Doppelfunktion haben und durch das vorausgegangen „Nigredo – Albedo – Rubedo“ kann sich hier auch Hitler verstecken, der Russland mit Panzern überrollt. Beide sind sich ohnehin in Anschauung und Methode ähnlicher als so manchem Neonazi wie Kommunisten lieb ist. Es handelt sich hier um ein sowohl-als-auch, was selbstverständlich im starken Widerspruch zur marxistischen Dialektik steht. Sowohl der innerussische Kampf Stalins gegen seine politischen Gegner als auch der scheiternde Russlandfeldzug wird thematisiert.

Die Mönche des roten Zaren führt hin zum Ende. Sie „besiegeln mit imperialen Fanfaren / des neuen Caesars Macht.“ Stalin ließ sich ab seinem 50. Geburtstag „Führer“ nennen. „Die Welt, sie ist errettet worden, / das Proletariat ausgestorben, / das Pantokrators höchster Sohn / stieg auf den Weltenthron.“ Stalin als Messiasgestalt ist eine gewagte aber im Kontext vollkommen berechtigte Aussage. „Der Kreml / ist zurückgewonnen, / das Blut der Revolutionäre geronnen, / der Zar besteigt den Thron. / Treu dem starken und mächtigen Zaren, / der uns zum Ruhme führe und herrsche: / Im Glanz der Tradition!“ Mit diesen letzten Zeilen wird nun darauf verwiesen wie unter Stalin die russische Folklore und Tradition als mächtiges Propagandamittel genutzt wurde, durch den sakralen Bezug vor allem auch die russische Orthodoxie.

So kann das Album in aller Orthodoxie auch enden, wenn es heißt Gott, schütze den Zaren.


Ja, Das rote Werk verwirrt und fordert seinem Hörer eine Menge Gedankenarbeit ab und nach eingehender Beschäftigung wird auch klar, wieso es diese Abstoßreaktionen hervorrief. Der Rechte ist im allgemeinen so arrogant wie der Linke dogmatisch und fürchtet jede Idee eines fremden Gedankenkosmos. Der Alchimist hingegen ist geschult, die Gemeinsamkeiten der Dinge zu sehen und diesen Überblick für sich zu nutzen. Das Rote Werk ist ein Paradebeispiel für politische und denkerische Kreativität; ein Black Metal Album, dass genau die Funktion erfüllt, der Black Metal heuer nicht mehr nachkommt.

Wer sich dafür interessiert wie es klingt, der lese die vorhandenen Rezensionen, denn auf nichts anderes gehen sie ein, oder erwerbe das Album.

17.02.2013

Ein Prosastück

Drei junge Männer steigen in den Aufzug, fahren aus dem sechsten Stock ins Erdgeschoss, verlassen das Haus und bahnen sich durch halb geschmolzenen Schnee den Weg zur Trambahn. Unterwegs halten sie zweimal an: erst kaufen sie Zigaretten an einem Automaten, dann betreten sie eine Filiale der Sparkasse und einer von ihnen hebt Geld ab, während er auf die Reaktion dieses Automaten wartet überklebt er einen Antifaaufkleber. Sie reden Englisch, trinken Gin Tonic und VoFa.
Mit der Tram, welche bald darauf kommt, fahren sie einige Stationen, werden dort bereits von zwei Männern erwartet und machen sich mit ihnen auf in den zwielichtigen Keller eines Jugendzentrums. Dort angekommen setzen sie sich. Einige Zeit später gesellen sich zwei Mädchen zu der Runde. Dann beginnt die Musik. Die zwei, die sie an der Tram abholten werden bald ihren ersten Bühnenauftritt haben und hatten im engen Freundeskreis zur Generalprobe geladen. Eigenkreationen werden nicht gespielt, lediglich vier Interpretationen bekannter Stücke, die eigenwillig umgesetzt sind und, trotz des etwas schiefen Gesangs, dem Publikum zu gefallen wissen. Sie trinken anschließend gemeinsam noch ein wenig, bevor es gemeinsam zur Tram zurück geht. Ein Stück weit fahren sie gemeinsam, dann verlassen nach und nach Musiker und Mädchen die drei, die sich noch fragen, ob sie wirklich weiter fahren wollen, sich dann aber dazu entschließen.
Auf der Fahrt in den Osten Münchens beginnt es stark zu schneien, sehr stark. Die Tram macht auf halber Strecke halt und fährt nicht mehr weiter. Sie müssen aussteigen und im dichtesten Schneetreiben rauchend und trinkend auf die nächste Tram warten. Nach kurzer gemeinsamer Aufregung über den Ausfall unterhalten sie sich bald wieder wie vorher und bald kommt auch die Tram, mit der sie weit hinaus fahren, in verschneite Stadtteile, die ihnen nicht sehr vertraut sind und auch wenig städtisch aussehen. Sie suchen nach dem Bus, den sie nehmen wollen, finden ihn nicht und entscheiden sich dann für eine andere Tram, die sie ihrem Ziel näher bringt. Von dort aus müssen sie laufen, navigiert von den neuesten Errungenschaften moderner Technik. Es beginnt also ein Fußmarsch durch dichten, flockigen Schnee in den ihre Stiefel tief einsinken. Es ist mitten in der Nacht, da sie die angestrebte Lokalität erreichen und sich unter das dunkel gehüllte Volk mischen. Die Bekannten, welche sie antreffen, scheinen besserer Laune zu sein als die drei, die schon bald stumm rauchend und nun Bier trinken um einen Tisch sitzen. Ab und an wechseln sie ein paar Worte, schreien sich ob der lauten Musik an. Sie wirken nostalgisch, müde, depressiv gar. Nur ab und an mischt sich ein träges Lächeln auf ihre Gesichter.
Sie bleiben nicht lange. Den Rest ihres zweiten Bieres, welches sie nur mühselig trinken können, lassen sie stehen und verabschieden sich, einen abenteuerlichen Heimweg zu beginnen. Abkürzen wollen sie sich die Strecke, klettern über ein Gatter und sehen sich vor einer abgezäunten Schnellstraße. Zurück und weiter, die nächste Gelegenheit. Am Ende eines verschneiten Feldes stoßen sie erneut auf die Schnellstraße, oder ist gar die Autobahn? Sie haben keine Lust, erneut umzukehren und folgen dem Feld der Straße entlang, überqueren eine Böschung, die es vom nächsten Feld abtrennt und liefern sich eine kurze Schneeballschlacht bevor es weiter geht. Am Ende des zweiten Feldes sehen sie die gesuchte Straße samt Brücke über das zuvor unüberwindbare Hindernis. Nun, die gesuchte Straße ist es nicht, aber eine, die weiterhilft, auch wenn sie sich einmal in einem großen Kreis bewegten. Um zu ihr zu gelangen, müssen sie einen Steilhang erklimmen. Zweien von ihnen gelingt es beim ersten Anlauf, der dritte rutscht fluchend ab, flucht auch, dass die beiden oben in schallendes Gelächter fallen. Doch lachen sie nicht über sein Missgeschick als vielmehr über den großen Penis aus Schnee, der von Unbekannten mitten auf der Brücke errichtet worden war. Sie stellten sich um ihn herum auf und lachend photographierten sie ihn, bevor sie ihren Marsch, nun auf ebenem Grund, der aber nicht minder verschneit ist – zumindest hatte das Schneetreiben in der Luft etwas nachgelassen -, fortsetzen.
Nach einem, vergleichsweise kurzen, restlichen Marsch stoßen sie auf die angestrebte Bushaltestelle und der Nachtbus kommt auch in wenigen Minuten. Schnell wird für jeden der jeweilige Heimweg nachgeschaut. Derweil nähert sich ein Unbekannter der Haltestelle und beginnt, ebenfalls auf den Bus wartend, Schneebälle nach dem Haltestellenschild auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu werfen. Einer der drei kommentiert seine Würfe, die keine einheitliche Einschätzung der Wurfqualitäten des Fremden zulassen.
Der Bus kommt, sie steigen ein, fahren einige Stationen, steigen aus und warten, sichtlich ermüdet und mit zermürbten Gesichtern, auf ihre jeweilige nächste Verbindung.
Bald wird die Sonne aufgehen.

02.02.2013

Transmorphose

Was treibt uns durch den großen Lauf,
Der groß und klein vorüberstreift,
Gleichwohl doch hunderttausendfach,
In Wellen, die wir nicht begreifen
Doch zu erfassen stetig eifern,
Im Urgrund tönt, im  Æon kracht,
Mit Hohngelächter nach uns greift,
Was treibt hinunter, treibt hinauf?

Muss ich wirklich mich ihr fügen,
Kraft die treibt, vernichtensmächtig?
Kann ich nicht vielmehr sie fliehen,
Ewigkeiten zu erleben,
Mit dem Urgrund raunend leben,
Bei den Schwestern nächtens liegen,
Die da spinnen, schicksalsträchtig,
Dass sie ruhen unter Schüben?

Aus Nähe wächst das weite Nichts
In das ich schwebend trete ein
Durch Einigung mit dreifach Kraft,
An die mein Fleisch ich hab gebunden,
In nächtlich roten Liebesstunden
Geschossen meinen Schicksalsaft.
Berauscht und trunken diesen Weins
Verlass ich Zeit und Raum und Licht

14.01.2013

Janus Mundano - Ein Dichter wie keiner

So schwer ich mich mit moderner Literatur tue, obwohl Wolf Haas und Christian Kracht in jüngster Zeit mir ein positiveres Bild selbiger erzeugen konnten, umso schwere tue ich mich mit moderner Lyrik, nicht nur in ihrer Form, ganz allgemein bringt die heutige Zeit kaum noch Dichter hervor, die einen zu ergreifen wissen. Ein Günter Grass versucht sich daran, bittere Wahrheiten in dichterischer Form zu allgemeinerer Anerkennung zu führen, versagt abseits des Inhaltes jedoch auf allen Ebenen, wählt eine Form, die das Gedicht in die absolute Lächerlichkeit zieht, nicht nur seines, sondern die moderne Lyrik an sich. Meine Erfahrungen mit jungen Nachwuchsdichtern im Rahmen von Düsseldorf ist ARTig wollten das düstere Bild auch nicht aufhellen, ebensowenig die von der passiven, unterhaltungssüchtigen Jugend so gefeierter Poetry Slam Szene. Ich selbst flüchte mich in meinem eigenen dichterischen Werk ja auch nur in die Welt Trakls, Georges und Jüngers.
Doch wer geduldig abwartet, der findet mit der Zeit etwas besonderes. Und so fand ich im Herzen Münchens einen Menschen, der mit Herzblut schreibt wie Novalis, ein Gespür für Reime hat wie Goethe und zu guter Letzt die kosmischen Zusammenhänge erkennt wie Crowley. Das ist Janus Mundano, so sein Pseudonym. Er hält sich nicht mit Metren auf sondern lebt ganz im Fluss der Laute und der Bilder, die sie erzeugen. Es ist gar erstaunlich, dass eine solche Bildgewalt möglich ist, ohne sich ganz archaischen Sprachmustern und Wendungen hinzugeben; er scheut sich nicht der Alltagssprache der Moderne, dem saloppen Ton der Jugend, ob nun in langen Elegien und Anrufungen vergessener Naturgeister oder in prägnanten Zwei- bis Vierzeilern, die Janus Mundano als begnadeten Aphoristiker auszeichnen, so beispielsweise in folgendem Verslein, dass ohne Titel auskommt:
Seht nur der Planeten Lauf,
ihr Geist geht uns durch Seele auf.
Allein diese zwei Zeilen zeichnen ihn als Eingeweihten aus, bezeugen, dass er auf der richtigen Spur ist, zu erkennen, was die Welt im Inneren zusammenhält. Janus fordert seine Leser. Sein Werk ist wohl nur begrenzt verständlich, kennt man sich nicht aus mit den Göttern und Geistern, die in unserer Welt wirkten und wirken, mit den Gesetzen der Alchimie, hat man kein ganzheitliches Bewusstsein für Raum und Zeit.
Lyrik ohnehin will ja gesprochen und gehört werden, lebt durch den Klang; gelesene Lyrik ist nicht vielmehr als ein Schatten ihrer selbst. Noch stärker gilt dies für die Lyrik Janus Mundanos, die er selbst begnadet vorträgt, mit einer Stimme so angenehm, schauderschickend und ergreifend wie ich es zuletzt erlebte wenn der junge Oskar Werner Rilke liest. Kein Wunder also, dass Janus Mundano seine Gedichte auch selbst liest, diese Lesungen auf Youtube für jeden zugänglich macht und auch auf Bühnen steht und sitzt, ein Erlebnis, dass ich nur jedem ans Herz legen kann, der die Möglichkeit dazu hat.

Nun sei aber genug der Werbung, kauft sein Buch oder Hörbuch.
Hier noch alle relevanten Links:
Janus Mundanos Homepage
Janus Mundano auf Facebook
Janus Mundano auf Youtube

15.11.2012

Identitäre Bewegung für Dummies

Lies erst einmal, rede dann, wenn du dich informiert hast.
Diese Worte richtete Friedrich Georg Jünger oft an seinen Neffen, wenn sie in Diskussionen verstrickt waren; an und für sich also ein wirklich fieses argumentum ad hominem, kann die Jugend sich doch nicht gegen die Altersweisheit wehren, die aus einem jahrzehntelangen Studium genährt wird. Doch kann auch die Jugend lesen, die öffentlichen Bibliotheken stehen offen, an Büchern voll, doch an Menschen leer. Doch darum soll es hier nicht gehen.
Hier soll es um die so genannten Identitäre Bewegung Deutschland (IBD) gehen, die neueste Entwicklung der modernen Rechten. Die IBD ist in erster Linie eine vom Internet aus agierende lose Gemeinschaft junger Rechter, die von den bedeutenden Organen wie Blaue Narzisse etc. gefördert wird, vor allem dadurch, dass diese über sie berichtet. Die zeitgeschichtlichen Hintergründe und Vorbilder der IBD möchte ich hier nicht kurz umreißen, wer sich dafür interessiert sei auf die BN verwiesen oder google einfach. Hier von Interesse sei die innere Struktur der IBD und vor allem eine Charakterisierung jener, die sich ihr zugehörig fühlen.
Ich selbst heiße die Ziele der IBD für gut und redlich, doch meine Erfahrungen im Umgang mit jenen, die sich dort ebenfalls angesprochen fühlen, erzeugen in mir ein Gefühl der Übelkeit und ich muss mich wahrlich am Riemen reißen, eine nicht zu pädagogische und vor allem nicht zu arrogante Rolle einzunehmen. Auch ziehe ich meinen Hut vor Persönlichkeiten wie Felix Menzel und allen anderen, die das Phänomen mit geistigen Inhalten füllen, kluge Dinge darüber aussagen und, um es ganz vulgär zu sagen, Ahnung haben, wovon sie sprechen.
Diese intellektuellen Eliten und Vordenker stehen nur leider im Kontrast zu jenen Gestalten, die sich außerdem in der Bewegung tümmeln und sich als identitär ausgeben. Es sind dies, so scheint es auf den ersten Blick, ganz normale Jugendliche, die, was durchaus lobenswert ist, mit der politischen Situation der BRD unzufrieden sind und sich mit dem ethnopluralistischen Nationalgedanken anfreunden ohne, getreu dem Motto „100% identitär, 0% rassistisch“, andere zu verachten. Auf den zweiten Blick sind es aber Jugendliche, die gerade noch klug genug sind, keine Neonazis zu werden, trotzdem aber dem nationalen bzw. identitären Gedanken folgen wollen, was sich leider auch nur wieder in tumben Phrasen, Kampfbegriffen und dergleichen niederschlägt, ohne intellektuell untermauert zu sein. Um es auf die Fakten herunter zu brechen: Wir haben es nicht mit bibliophilen Bildungsbürgern zu tun sondern mit gefrusteten Proletariats- und Präkariatskindern. Wobei dies auch ein all zu voreingenommenes Urteil sein könnte, nichtsdestotrotz machen auch jene, welche die gymnasiale Laufbahn durchgemacht, keinen besseren Eindruck auf mich.
Es handelt sich um lesefaule, eingelullte Mainstreammedienkonsumenten. Nun ist die IBD zwar nicht unbedingt die Konservative Revolution, hat aber doch deutliche Schnittstellen mit dieser und scheint mir momentan gleich ihrem Erben. Was jener Masse an Identitären also fehlt, sind Primärtexte. Menzel & Co. können noch so kluge Essays schreiben, Der Funke immer wieder die Inkonsequenz des nationalen Widerstand heraufbeschwören, was bringt es den Jugendlichen, wenn sie sich nicht selbst mit der Gedankenwelt der großen und wichtigen, mit Jünger (beiden Brüdern, denn Friedrich Georgs Technikkritik sei jedem als Opposition ans Herz gelegt, der Ernstens Arbeiter studiert), Hielscher, Spengler und Hofmannsthal, um nur ein paar zu nennen, auseinandergesetzt? Da skandiert ein in der Automobilmanufaktur arbeitender mit Hauptschulabschluss, seine Mutter sei die Sprache und sein Vater das Land ohne die Hofmannsthalsche Rede „Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation“ analysiert zu haben; und auch die Aktionen der Identitären scheinen mir tief im globalisierten Pluralismus verwurzelt. Ich bitte mit aller Deutlichkeit darum, mir zu erklären, was daran identitär sein soll, mit Skimasken zu elektronischer Musik in der Öffentlichkeit aufzutreten, Schilder schwingend, auf denen „Multikulti wegtanzen“ geschrieben steht. Ich halte dem entgegen eine wirklich identitäre Aktion: Die Jugend gehe in ihrer Alltagsklamotte auf einen Platz mit vielen Menschen und rezitiert chorisch bedeutende deutsche Sprachkultur. Oh, es würde Eindruck schinden und sogar den mitte-links Feuilleton die IBD ernst nehmen lassen, skandierten 15 oder 30 oder gar 50 Münder gemeinsam die Aufklärungsdefinition Kants. So wird Jugend ernst genommen, man erkennt ihr Anliegen, wenn es aus den vielen Mündern wie aus einem schallt:
Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Und da man sich ja einig ist, dass die zunehmende Islamisierung aufzuhalten sei, fahre man doch bitte die großen Geschütze auf und proklamiere ein wenig Nietzsche. Gott ist Tot und wir haben ihn getötet, nicht dadurch, dass wir vom Glauben abgefallen sind, nein, wir töten Gott dadurch, dass wir einen fremden Religions- und somit Kulturkreis unsere (mehr oder minder) christliche Kultur vertreiben lassen. Im Anschluss folge noch ein Auszug der Proklamationen des Ludwig Derleth:
Jesus Maria.
Ich wachte und erschienen mir drei Zeichen: Der Blitz, der Adler und der Stern.
Ich, Ludwig Derleth, bin allein und habe alle verbündet gegen mich und erkläre im Namen Jesus von Nazareth den Krieg.
Ich vergehe vor dir, o Herr, und gebe mich ganz in deine Hand, welche das Schwert führt und die Gefallenen segnet.

An alle Regimenter, Magazine und Werkstätten der Welt.
Wir dezimieren.
Wir rufen den Rest der tüchtigen Männer vor die Front und scheiden aus.
Wir verlassen die Armee und gründen ein neues Reich.
Und wer es hart auf hart kommen lassen will, würzt das ganze mit einer Prise Cornet.
Dies ist freilich die radikale Variante, aber Radikalität, Krieg und Gewalt ist es, was jene Jugendlichen fasziniert, so wie sie es aus dem Fernsehen und vom Computer kennen. Lektüre ist nichts für die junge Generation. Der Kampf als inneres Erlebnis beim lesen schwerer Stoffe und großer Gedankenwelten überfordert den Mausklickschützen. Der Wille zur Aktion ist da, nur ist man in seiner eigenen Phantasie, im Begriffskosmos so beschränkt, dass die intellektuelle und stilvolle Revolte keine Option zu sein scheint. Selbstverständlich könnte auch Schillers ästhetische Erziehung, der eine oder andere Klassiker der Lyrik (Sarrazin beklagt das Aussterben von „Wanderers Nachtlied“ in unseren Köpfen, da er gar nicht mehr auf die Idee kommt, jemand könne den „Prometheus“ auswendig) oder Novalis rezitiert werden. Worauf es ankommt, ist eine Rückkehr, eine Besinnung auf die Literatur, eine Begeisterung, d.h. Belebung, all jener Gedanken, die rechtes bzw. konservatives bzw. identitäres also im Endeffekt deutsches Denken prägten.
Beklagen muss man diesen Rückstand der modernen jungen Rechten – und hierbei muss ich noch einmal anmerken, dass es auch die, wenn auch zahlenmäßig unterlegene, andere, kluge und belesene Seite gibt, der meine Hochachtung gilt – gegenüber der jungen Linken, die wesentlich belesener ist, die ihre Meinung durchdrungen hat und argumentativ stützen kann, die ihren Hegel, ihren Marx, Lenin und Adorno gelesen und verstanden hat oder sich immerhin bemüht, dies zu tun, die sich trifft in öffentlichen Diskussionsrunden und im lockeren Umgang Klugheit auf dem Weg zu ihrer Revolution beweist.
Auf drängt sich hier die Frage, wieso der Nationalismus heutzutage nun ein solcher Idiotenmagnet ist. Sie zu beantworten vermag auch ich nicht, es scheint ein Teufelskreis. Der eigene Nationalismus wird tautologisch begründet woraus direkt resultiert, dass man gar nicht das Bedürfnis hat, sich den intellektuellen Unterbau anzueignen, „Ich bin stolz denn ich bin hier geboren“ scheint auszureichen, und da wo Sprache die Mutter sein soll, haben wir es mit einer Mutter zu tun, die ihr Kind so unzulänglich gesäugt hat, dass es eine traumatische Laktoseintoleranz entwickelte.
Das ist die betrübende Moderne, in der Rilkes Worte nur noch ein Wunschtraum der musisch erzogenen sind:
Denn was der Eine erzhlt, das haben auch sie erfahren und gerade so. Als ob es nur eine Mutter gäbe...

02.09.2012

Integrale Gnosis

Patchwork-Religionen sind en vogue. Das Unvermögen der Heutigen, sich einer Kirche und ihrer Mystik zu widmen, ist groß und zeitgleich machen es jene Kirchen einem auch nicht leicht, passen sie sich doch auch dem antidogmatischen Zeitgeist in Glaubensfragen an. Da der Normalgläubige nun auch nicht unbedingt die geistige Reife und Offenheit hat, Glaubensfragen wirklich zu durchdringen, glaubt er eben von allem etwas, nämlich, was ihm gefällt. Ein bisschen christliche Nächstenliebe, ein bisschen buddhistische Reinkarnationslehre (hinduistische ist ja ob der Kastendogmatik absolut nicht angesagt), dann noch islamische Wissenschaftsnähe und, nicht zu vergessen, diverse indigene Schamanenzauber. Hier paart sich gefährliches Halbwissen mit weltoffenem Gutbürgertum, dass niemals eine wirklich erkenntnisreiche Glaubenserfahrung ermöglichen kann.
Doch Patchwork-Religionen sind gar nicht notwendig. Sie sind vornehmlich ein Phänomen der christlich-westlichen Welt und gerade die Christen bräuchten sie eigentlich nicht, würden sie die Kirchen und die Gesellschaft nicht derartig einlullen, sich wirklich intensiv mit den Botschaften christlicher Lehre auseinander zu setzen, sprich: Bibel lesen und gnostisch arbeiten bzw. leben.

Integrale Gnosis ist der Gegenentwurf zur Patchwork-Religion. Integrale Gnosis ist die konsequente, mystische Fortsetzung und Übersetzung des christlichen Impulses in das moderne, das Wassermann-Zeitalter.
Gewisse Vorstufen der Gedanken der integralen Gnosis sind bereits vor Jahren gemacht worden, aber sie wurden vergessen oder falsch ausgelegt, und falsche Auslegung meint hier den weiteren Alleinbezug auf die Erlösung durch Christus. Hier beginnt es anders zu werden, hier muss integriert werden. Der Mensch, auf der Suche nach Erlösung, stellt sich in die Mitte aller geistig-göttlichen Kräfte, auf dass ihre Energien durch ihn fließen und sich so miteinander verbindung, alle Teilungen aufzuheben. Das Vorbild hierfür ist, im Wortsinne, das Bild des Ostermysteriums. Jesus Christus ist eine Leitfigur, eine Art Heiliger, dessen Pfad ein jeder auf dem Weg zum Einklang mit der Göttlichkeit gehen muss, dass heißt: sich allen Gewalten göttlichen Ursprungs, also allen Geschöpfen und Gedanken stellen.
Die indischen Yantras in ihrer vielfältigen Punktsymmetrie entsprechen einem ähnlichen System. Für die integrale Gnosis bedeutet dies, dass der Mensch sich im Zentrum eines solchen Yantras befindet und alle Kräfte um ihn tosen. Er hat sie zu bündeln und durch sich zu lenken, dann vereinen sie sich geistreich-schöpferisch in ihm.
Doch werden wir konkret. Die dualistische Einteilung in GUT und BÖSE ist veraltet, sie entstammt dem petrischen Christentum der Kirchengemeinden. Es gibt eine vielzahl mächtiger Kräfte, die gegeneinander wirken, nichtsdestotrotz alle in Beziehung zueinander stehen. Die vier mächtigsten, die Urmächte bilden eine Quadrinität und sind:
 - Gott-Schöpfer, der alttestamentarische Demiurg, יהוה. Die Namen sind viele. Er ist das schöpferische Prinzip, der matriarchalische Rachegott und somit die Kraft der Herrschaft.
 - Gott-Zerstörer, Satan, der Widersache und Ankläger. Er ist des Schöpfers direkter Gegenspieler und im Gegensatz zu dessen Beständigkeit allein im Hier und Jetzt mächtig als weibliches Prinzip der Lust des gelebten Augenblickes mit all seinen Genüssen.
 - Gott-Sohn, Jesus Christus, ist das weibliche Prinzip der Fürsorge, der geistigen Liebe und Überwindung des Todes in ewiger Wiederkehr.
 - Gott-Kraft, Luzifer, der unbeugsame Engel, ist das männliche Prinzip geistiger Potenz und Seelenkraft, das ganzheitlich-bewusste Leben.
Geeint werden alle diese Kräfte vom Heiligen Geist, der als göttliches Urprinzip alles durchdringt.

Integrale Gnosis heißt nun nichts anderes, als im Bewusstsein der Vielfalt der Kräfte zu Leben und in gleichwertiger Verehrung bzw. Ritualisierung dieser die Transzendenz und schlussendlich den Übergang in die göttliche All-Einheit zu erreichen. Kirchen können nur bedingt als Stützen dabei dienen, schließlich bleibt Gnosis individuelle Erfahrung.

04.04.2012

Was gesagt werden musste

Renommierte Köpfe in der Bundesrepublik trauen sich nur selten, bittere Wahrheiten auszusprechen. Warum das so ist, beweist auch wieder der neueste Fall:
Günter Grass, der zuletzt in die Presse kam, als seine Vergangenheit als Mitglied der Waffen-SS bekannt wurde, hat auf seine alten Tage sich noch einem medienwirksam in Szene gesetzt mit einem antizionistischen Gedicht, dass hier einzusehen ist. Mal beiseite geschoben, dass dies Werk genau in die Sparte Lyrik fällt, die ich am wenigsten so bezeichnen möchte und die mir, ästhetisch betrachtet, so rein gar nicht gefällt (wie auch Grass' Werk insgesamt mir wenig zusagt), muss ich Grass inhaltlich in etlichen Punkten zustimmen, zumal mich das ganze sehr an meine vor eineinhalb Jahren verfasste und im November hier veröffentlichte Kritik an der Nachkriegslyrik erinnerte. Zustimmen kann ich da nicht, wo Grass immer wieder betont, wie sehr Tätervolk Deutschland doch sei, allerdings kann man diese Passagen auch nicht im (vermutlichen) Sinne des Autos so interpretieren, dass sie eben diese mangelhafte Vergangenheitsbewältigung anprangern.
Doch kommen wir zu den Reaktionen auf dies Werk: Wie sollte es anders sein - der Zentralrat der Juden ist hochgradig empört. Emmanuel Nahshorn (was ein Name!), israelischer Botschafter in Berlin haut zudem in die alte Kerbe, dass pünktlich zu Ostern die Juden mal wieder für irgendetwas als Sündenbock herzuhalten haben:
Was gesagt werden muss ist, dass es zur europäischen Tradition gehört, die Juden vor dem Pessach-Fest des Ritualmords anzuklagen
...
Michel Friedmann zu Günter Grass' Israelkritik: Gedicht ein „aggressives Pamphlet der Agitation“ - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/politik/deutschland/umstrittenes-iran-gedicht-zentralrat-der-juden-ist-entruestet-ueber-grass_aid_732743.html
.
Das stimmt sogar, ich möchte nur stark anzweifeln, dass es Grass' Religiösität ist, die hier zum Vorschein kommt. Antisemitismus äußert sich heutzutage doch in erster Linie in Form von ZOG-Verschwörungen etc. anstatt religiöser Rachegelüste fundamentaler, Christentum missinterpretierender Anhänger des christlichen Glaubens.
Auch wird Grass vorgeworfen, er verdrehe Tatbestände. Demnach hat der Iran mit Sicherheit also Atomwaffen, bei Israel wird dies nur vermutet und Deutschland dürfe gefälligst zwecks Erhalt des Weltfriedens keine Waffen an den Iran ausliefern. Zudem dürfe man in Deutschland ungehindert Israel kritisieren, ohne gleich die kleine Welt des Zentralrats der Juden zu empören.
In aller Dreistigkeit heißt es zudem, Grass würde Israel das Existenzrecht aberkennen. Wer dies sagt, kann offenbar nicht lesen. Das Gedicht ist klar und eindeutig formuliert. Grass will lediglich, dass Israel eine friedlichere Politik betreibt, womit er sich in Gesellschaft von Erich Fried stellt, nur dass letzterer entsprechendes fordern darf, schließlich ist er Jude, was natürlich alles besser macht. Was da also interpretiert wurde ist noch abwegiger als die Rezension eines gewissen Spiegel-Autos eines kürzlich erschienenen Romans eines schweizer Schriftsteller, die immerhin auf einen Mangel an Ironieverständnis und generell Humor zurückzuführen ist.

Ja, die Grenzen zwischen Antizionismus und Antisemitismus sind fließend. Doch geht es nicht um Kritik am Staate Isreal ob seines Jüdisch-Seins, es geht um Kritik an westlicher Machtpolitik. Es ist doch nicht Israel alleine, dass den Iran als Bedrohung ansieht. Es gibt da insbesondere noch die USA (die allerdings eine Lobbykratie - die rassische Selbstdefinition der meisten Lobbyisten dort sollte hinlänglich bekannt sein). Und sowieso profitiert die westliche Wirtschaftswelt immer vom Krieg. Die Dekadenz, die in diesem Konflikt offensichtlich wird, kann widerlicher nicht sein. Ehrlichkeit ist in Gänze gewichen aus der modernen Machtpolitik. Mit allen Mitteln wird die trockene und korrekte Analyse eines Sachverhaltes unterbunden und schlecht geredet. Der Holocaust ist das ultimative Totschlagargument der deutschen Gesellschaft. Damit jedoch Geschäfte zu legitimieren, die, wie Grass trefflich beschreibt, einen größeren Schaden an der Menschheit anrichten könnten als dies Historikum, ist pure Bestialität. Ich spucke aus vor solch einem monströsen, ekelhaften Verhalten. Die antigrass'schen prozionistischen Agitatoren sollten sich schämen für diese Unmenschlichkeit. Pfui!

Erich Fried - Womit vergleichen?

Im Knesseth, dem Parlament von Israel
war von zionistischen Extremisten die Rede.
Ihre Terroranschläge haben zum Beispiel den
Bürgermeister von Nablus um beide Füsse gebracht.

Da erklärte der zweite Sprecher des Knesseth:
"Aber das ist ja
unsere Aufgabe ihnen die Eingeweide
und die Gliedmassen und die Augen auszureissen!"

Mir als Jude fällt der Vergleich
von Juden mit Nazis nicht leicht
aber womit
kann man diese Worte vergleichen?
...
Michel Friedmann zu Günter Grass' Israelkritik: Gedicht ein „aggressives Pamphlet der Agitation“ - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/politik/deutschland/umstrittenes-iran-gedicht-zentralrat-der-juden-ist-entruestet-ueber-grass_aid_732743.html

28.03.2012

In die Sterne fallen

Gemächlich werden die Abende angenehmer. Alsbald die Sonne versunken ist, wehen kühlere Lüfte, doch ist es angenehm im lauen Abendwind noch einmal das warme Heim zu verlassen, das freie Feld aufzusuchen.
Großartiges geschieht, zeigt sich dem Gesichte des geneigten Beobachters. Mond, Venus und Jupiter gesellen sich am Himmelszelt in einer andächtige Konjunktion, sie sind sich nah wie lange nicht mehr und wie sie lange nicht mehr nah sein werden. In der Dämmerung ist dieser kraftspendene Blick am besten einzufangen, doch auch zu später Stunde zeigen sich ungeahnte Energien. Denn, wie ich im feuchten Grase liegend, den Blick in die Sphären gerichtet, die silbrig braune Sichel unseres Trabanten, der zu diesem Zeitpunkt wie eine Verlängerung der Deichsel des Großen Wagens erschien, betrachtete, ward es mir, als zuckten rote Feuerräder in konzentrischen Kreisen, von Venus ausschlagend, um diesen, unseren, Mond. Der Schein blendete, doch wandte ich den Blick nicht ab. Mit der Zeit zuckten diese, von pink nach rubin allerlei Spektren abdeckenden, planetaren Swastiken immer schwächer, letzte Funken stoben wie Blitze in einem leuchtenden rotorange, dann blieb nur Venus, feurrot wie die pure Ekstase.
Überwältigend, diese Kraft der Gestirne. Die Optik ist nur der geringste Aspekt, denn was dies Spektakel seelisch auslöste, lässt sich nicht in Worte fassen. Hier war ein Moment kosmischer Transzendenz, eine Metamorphose des Ichs, hin zu einem wonnigen Sein, eingeflochten in das kosmische Gefüge. Scharlach. Gedankenfetzen aus dem letzten Frühsommer dringen ins Bewusstsein. Scharlach prägte die Sternenmeditationen des letzten Jahres. O, Du holde Verführung! Hier zeigt sich erneut die Periodizität der Erscheinungen; Ankündigungen, die vom Seelengrund in das Weltenall wandern und sich in den Sterne verlieren, im Verloren-Gehen neue Ordnung finden, verbannt in die Weiten des Kosmos, wie einst die Artemis den großen Jäger und seinen giftigen Tod verbannte.
Nicht verloren geht mein Blick auf das Sternenzelt. Hier kommt die Sprache dem Geschehen entgegen. Denn, wie die hohen Halme das Gesicht kitzeln, die ausgestreckten Arme den noch jungen Klee spüren und der blinkende aber glücklicherweise spärliche Flugverkehr das Auge von Zeit zu Zeit abzulenken sich bemüht, fällt mein Blick auf die Sterne. Auf sie, von oben. Es sind Momente der gefühlten Gravitationslosigkeit. Wie klein unsere Welt doch ist, werden wir dem gewahr, was sich um uns für eine Fülle erspannt. Den Blick hoch zum Himmel gerichtet, ist dies Oben aber nur eine Projektion unserer unzulänglichen Wissenschaft. Vielmehr ist es ein Eintreten, hinaus aus der Nichtigkeit Terras in die All-Einheit. Man fällt aus allen Wolken, aber nicht auf den Heimatboden, nein, sondern in die Fremde der höheren Ordnung. Fällt und taucht ein, dringt ein in dieses Reich der milliarden Sonnen, die als kleinere und größere Punkte das Firmament sprenkeln, und doch sind sie alle weitaus größer als unsere ährengüldene und blendend weiße Sonne, die uns allabendlich als Feuerscheibe in den Häuserschluchten engleitet, fällt wie als falle man in Zeitlupe durch ein reines Gewässer, doch ohne Aufprall. Und plötzlich schwebt man in diesem Weltraume, in dem es keine Richtungen mehr gibt, treibt als perpetuum mobile asteroidengleich vorbei an Monden, Göttern, Gasriesen, kreuzt Kometen und pendelt sich ein im Netz der unzähligen Sonnen. Sternennebel erscheinen wie Fraktale und in allen Farben sehen wir uns darin wie im Spiegelkabinett. Und Supernovae und Schwarze Löcher sind uns keine Mysterien mehr, ihr raison d'être findet sich in uns selbst, uns treibenden Elementarteilchen der All-Einigkeit.
Die Bilder werden zu groß, die Worte zu klein und auf einmal spüren wir wieder das Gras im Antlitz kitzeln und den Klee die Finger streifen. Ist die Erde nicht auch ein Fraktal? Gleicht der Embryo nicht Pangäa? Und die Augen, sind sie nicht Supernovae, die im Tode zu einem Schwarzen Loch werden? Und die Blütenblattbildung der Pflanzen, ist sie nicht die Umsetzung geozentrischer Wahrnehmung der Planetenbahnen? Der Zoom in die Mandelbrot-Menge erinnert daran, wie es ist, in die Sterne zu fallen.

03.03.2012

In Flingern

Die Luft in Flingern schmeckt nach Arbeit
Schmeckt nach getaner Arbeit, feierabends
Heimwärtsfahrend frischer, kühler Luft,
Dem Duft von Tabak und Caffee.

Der Klang von Flingern ist die Arbeit
Klingt nach Straßenbahngebimmelklirre,
Autos die ganz irre Straßen kreuzen
Und schneuzend wartet da ein alter Mann.

Mein Blick auf Flingern gilt den Häusern
Die alt und starr ihr Antlitz wohl bewahren
Wo Fahrstühle nur selten fahren, denn Treppen
Steppen meine schwarzen Stiefel.

24.02.2012

Der Rauch hat Ohren

Für eine halbe Stunde beobachtete ich den Rauch zweier Opiumräucherstäbchen. Aus der Glut stieg jeweils ein dünner Faden, der sich auffächerte zu einer spitzwinkligen Fläche. Ruhig und konstant stieg der Rauch in die Höhe und wurde breiter und breiter, um sich dann etwa einen Drittelmeter im Raum aufzulösen.
Unter der Einwirkung von Musik jedoch begann er sich zu verändern. Er tanzte in ruhig fließender Bewegung zum Takt, bildete mannigfaltige Formen aus. Klangen die Töne tief, so begann sein Tanz weit unten, verschob sich die Tonhöhe nach oben, so stieg der Rauch mit an und konnte in seinem Tanz bis zu einem halben Meter ansteigen.
Dieser Tanz glich den natürlichen Schwingungen eines Körpers in Trance oder floß wie Wasser entlang einer Bahn. Ruhige Rhytmen erzeugten Wellen in der Horizontalen, die sich langsam nach oben schwangen und dabei immer breiter wurden. Klang die Musik hypnotischer, ging die Bewegung in die Vertikale, korkenzieherförmig strömte der Rauch dann in die Höhe, als die Athmospähre ihren Höhepunkt erreichte, im ruhigen Rhythmus mit hohen Tönen und einer harmonischen Mollmelodie, bildete sich gar eine majästetische Doppelhelix.
Lautstärke erzeugte immer wieder ganz neue, eigenartige Formen. Kein Tanz glich dem anderen. Floß die Musik in Richtungen, so wankten die Schwaden von rechts nach links. Zweifelsfrei die pure Schönheit war jedoch die Verflechtung der beiden Schwaden zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die synchrone Bewegung in der Vertikalen wurde harmonisiert von einer gegenläufigen horizontalen Drehung die ich mir nicht erklären kann. Die steilen, wenn auch unglaublich runden, Wellen verschraubten sich ineinander zu einem unbeschreiblichen Flechtband, was sich wunderbar in die Entwicklung der Musik einfügte.
Als wüssten sie, wie sich die Klänge entwickeln würden, brannten die Räuchestäbchen genau dann aus, als ein Musikstück ausklang. Die Schwaden zitterten im Vibrato des Schlusstons und verflüchtigten sich in die Stille.

10.02.2012

Leben ist Lieben - Bewusstes Sein durch Liebe

Leben ist nicht bloß simple Existenz. Wer bloß existiert ist und isst, der unterdrückt die Geistentfaltung. Die Existenz bleibt also simpel alswie der Mensch es unterlässt, bewusst zu existieren, zu leben, sich zwischen den Dualitäten zu positionieren und sich zwischen ihren Polen zu bewegen.
Ahriman ist die Qualität der simplen Existenz. Er hält uns im Irdischen, im Äußeren. Luzifer ist sein geistiges Gegenstück, die totale Vergeistigung des SEins in weltlicher Askese. Durch sein inneres Licht verschanzt man sich vor der Dunkelheit Ahrimans, verliert so aber den Bezug nach außen.
वाम मार्ग (Vama Marga) ist ein Weg der luziferisch-ahrimanischen Synthese. Durch den bewussten Genuss des weltlichen Lebens, des Stofflichen, transformiert Luzifer zu Uriel, dem äußeren Licht. Zwischen diesen beiden Lichtqualitäten kann sich der Mensch neu positionieren und im Licht seine Umwelt erkennen, bewusst sein und - was dei wichtigste neue Qualität ist - Lieben, denn Liebe ist Erkenntnis. In der Liebe offenbaren sich Menschen einander in ihrer vollkommenen Nachktheit, sowohl körperlich als auch seelisch. So kommt es auch, dass Sex erst dann wirklich befriedigend ist, wenn die Partner sich lieben - denn wie der Körper will auch die Seele stimuliert und befriedigt werden. Die tantrische Lehre - als eine der Haupbestandteile von वाम मार्ग - gibt davon Auskunft.
Für diejenigen, die nur existieren ist es ein Teufelskreis. Die rein körperliche Liebe, also Sex, als die ahrimanische Verlockung bietet keine seelische Befriedigung, nach der allerdings ein natürlich-menschliches Bedürfnis besteht. Der Existierende spürt dieses Bedürfnis, weiß es aber nicht zu definieren und verwechselt es mit der Libido, was dazu führt, dass er sich allerlei Abenteuern hingibt: Verkehr mit so vielen Personen als möglich, exotische, animalsche oder schlichtweg abstoßend bizarre Sexualpraktiken oder exessiver Masturbation.
Dadurch wird das Bedürfnis nach seelischer Befriedigung aber auch nicht gestillt, ganz im Gegenteil. Es wächst ins Unermessliche, ins Unaushaltbare.
Nichtsdestotrotz ist auch der Liebende nicht auf Monogamie angewiesen. Die mannigfaltigen Qualitäten der Liebe - das ist jede Form von konstruktiv-positiver geistig-seelischer Verbundenheit - ermöglichen körperliche und seelische Befriedigung mit beliebigen Partnern, nur muss eine Verbindung bestehen.
Das gesellschaftliche Liebespaar ist dadurch aber keinesweg beschnitten, denn diese radikale Verschmelzung aller Lebensbereich wird nur da geboten. Allerdings können externe sexuelle Erfahrungen dieses Miteinander enorm bereichern.
Hier gilt es, bewusst zu sein, die Bedürfnisse des Partners zu spüren und zu erfüllen.
Wassermann, das Neue Äon, als das Zeitalter des Individuums ist nicht nur bloße Qualität sondern auch Herausforderung. Die Herausforderun, dann, wenn alle Welt das Ich zelebriert das Wir zu erhalten. Denn Ich ist weltlich extrovertiert, ahrimanisch nach Außen gerichtet. Du ist das luziferisch-asketische Prinzip. Im Wir lebt die Synthese, Uriel, Christ, die Göttlichkeit. Wir ist das alles umfassende und alles begründende Prinzip der kosmischen All-Einheit. Ein bewusstes Wir ist Produkt und Grundlage der Liebe, die Überwindung der simplen Existenz hin zum Leben.

13.01.2012

Eine kleine Entwicklungstheorie

Mit 21 Jahren tritt der Mensch ins Erwachsenenleben ein. Es ist kein Zufall, dass 21 ein Vielfache von 7 ist, denn die Menschenentwicklung erfolgt in Siebenerstufen, wie schon Rudolf Steiner erkannte und in seiner Pädagogik als Kernbestandteil einbaute.
Auch wenn heutzutage der individuelle Lebensweg nicht mehr ganz so determiniert verläuft (zumindest auf persönlicher Ebene, die Kosmik sei diesmal außen vor gelassen), orientiert er sich dennoch, vor allemn wenn man das gesellschaftliche Leben betrachtet, nach wie vor an den Jahrsiebten: Nach 7 Jahren elterlicher Obhut erweiter das Kind seinen Horizont durch den Eintritt in in die Schule, mit 14 kommt es in die Pubertät und erlernt Stück für Stück die Selbstständigkeit, welche dann mit 21 (im Normalfall) erreicht ist und es ermöglicht, eine individuell gewählte Ausbildung zu durchlaufen, welche mit 28 vollendet ist und den Menschen in der Gesellschaft positioniert. Um diese Position zu verankern gründet er Familie und baut ein Haus, mit 35 ist die Verankerung abgeschlossen und dient in weiteren Jahrsiebten zur Ausweitung, Erweiterung der Position in mannigfaltiger Gestalt, ob mehr Nachfahren, beruflicher Beförderung, Erschließung neuer Interessensgebiet und Fähigkeiten etc.
*
Nun ist dieses SChema ein allgemeingültiges, so gut wie jede Biographie kann als Beweis dienen.
Die Qualität des Erreichten ist aber abhängig von sozio-psychologischen Bedingungen, die im weiteren nun erläutert werden sollen.
Als Grundliege dienen hier folgendene These meinerseits:
Charakterstärke ist ein universelles Potential, dass in jedem Menschen vorhanden ist, inwiefern es sich jedoch entfalten, kommt auf den Ursprungszustand des Potentials an und wie stark sein Ausbruch unterstützt und gefördert wird.
Ziel der Erziehung sei es, das Kind bzw. den Menschen in die Welt zu ziehen und es aus Abhängigkeit heraus zu ziehen.
Hierzu ist es von enormster Wichtigkeit, dass die Weltneugierde des Kinde von Beginn an gefördert wird. Die natürliche Neugierde des Kindes muss durch kindgerechte (bzw. altersgerechte) und verständliche Antworten auf alle fRagen unterstützt werden. Den größten Anteil daran nehmen die Eltern ein. Doch je mannigfaltiger auf die Vielfalt der Welt aufmerksam gemacht wird, desto besser ist es für das Kind, da so das Potential zur Bildung der Charakterstärke erhöht wird, was umso wichtiger wird, wenn das Potential tief verborgen zu sein scheint (bzw. ist), die natürliche Kindheitsneugier also ungewöhnlich gering ist.
Hier dient das Konzept der Patenschaft. Im Mittelalter war der Pate der eigentliche Erzieher, heute ist es Aufgabe des Paten (bzw. der Paten), dem Kind Perspektiven zu öffnen, ihm Aspekte der Welt zu offenbaren, die den Eltern verschlossen sind, ob nun ob unvermögens oder Desinteresse.
Es sind aber insbesondere die dem Kind nahestehenden Erzieher, die eine große Verantwortung tragen. Denn erst wenn das Kind begreift, dass es in der Welt immer etwas zu entdecken gibt, wird es seine Weltneugierde in der Autonomie (um nicht zu sagen: in der Mündigkeit) beibehalten. Moderne Erzieher, vor allem in Kindergärten und dergleichen, müssen sich dieser Verantwortung bewusst sein und sie von Herzen ausleben.
Sachliche Basis der Weltneugierde ist Wissen über die Heimat. Sowohl physischer Natur (also der direkten Umwelt) als auch psychischer Natur (also Wissen über Kultur und Geschichten, deren Zusammenhänge und Wurzeln), denn dieses Wissen dient dazu die Heimat mit dem Fremden zu vergleichen, denn durch diesen Vergleich bzw. das Wissen über die Ähnlichkeiten und Unterschiede wächst bzw. entsteht erst die Weltneugier, da man sich mehr Vergleichsmaterial ersehnt.
Dem Kind sind hierzu mystische und allgemeingültige Inhalte zuträglich, also Märchen, Sagen und Legenden, sowie altersgerechte Literatur (denn nicht jedes Kinderbuch ist tatsächlich für Kinder geeignet). Im späteren Kindesalter und in der Jugend werden relisiöse, historische und beliebige fiktionale Schrifterzeugnisse sowie andere Medien wie Filme relevant, die eigene und fremde Kulturen kennenzulernen.
Wie also der Themenfokus im fortgeschrittenen Alter verschoben wird, so kommt es auch zu einer Verschiebung im sozialen Umfeld, denn durch die Schule kommt ein neues Element hinzu. Bis zu Pubertät sind die Eltern zwar noch recht aktiv, durch neue Indentifikationsfiguren (konkret: Lehrer) aber nicht mehr so einflussreich. Durch Aktivität des Kinde in sozialen Verbänden wie Klasse, Vereine oder den anderen, die auf der Straße, im nahen Wald o. ä. ebenfalls spielen.
Durch die starke Vermehrung des gesellschaftlichen Umfelded wird die Weltneugierde erstmal stimuliert. Hier zeigt sich dann besonders das Potential der Charakterstärke. Wer hier aufgibt und über die Pubertät hinaus nicht einsieht, dass es mehr als Computerspiele und den Fußballverein gibt, wird es vermutlich bzw. nur mit größter Anstrengung zur Individuation schaffen, sondern im System stagnieren, seinen Charakter verschlaffen lassen.
Weltneugierde führt zu Reflexion.
Reflexion führt zu Individuation.
Individuation führt zu Weltneugierde.
Unsere (deutsche bzw. westliche) Gesellschaft stellt die Individuation als wichtigen Prozess dar und autonom-individuelles DAsein als einen erstrebenswerten Zustand. Doch ist diese Version der Individualität, der so viele anhängen, eine Gaukelei. Sie vertusch die durch den Zerfall der Familie enstandene Isolation und setzt die berechnete Funktionalität eines Menschen innerhalb eines Systems mit Individualität gleich, obwohl es sich, aus gebührender Ferne betrachtet, um das Gegenteil handelt: Uniformität.
Dass so viele Menschen diesen Schleier nicht lüften, hat mit ihrem Unvermögen, dies zu tun, welches auf mangelnder Charakterstärke basiert, zu tun.
Hier wird deutlich, was Nietzsche den Willen zur Macht nannte: Sich selbst zu lenken und nicht das System einen lenken lassen. Der Wille zur Macht ist die Charakterstärke. Wer sein Potential voll ausschöpft ist Übermensch, wer es verkommen lässt ist Untermensch.
*
Nun ist Charakterstärke aber nicht nur die Befähigung, im Makrokosmos der Gesellschaft be-mächtigt zu sein, sondern auch im Mikrokosmus Dialog.
Charakterstärke ist Diskussionsfähigkeit.
Zuhören und zugehören sind nach verwandte Worte. Eine Grundvorraussetzung für eine funktionierende Diskussion ist, dass man sich einander zuhört. Dies ist jedoch mehr als die rein akustische Wahrnehmung. Es ist das dazugehören zu den Gedanken des anderen. Durch aufnehmen und durchleben werden sie erst richtig erhört. Aus der daraus resultierenden Reflexion kann erst eine rationale und angemessene Antwort formuliert werden.
Je besser man sich nach außen auf den anderen einlässt, desto tiefer blickt man dann auch ins Selbst.
Dies ist ein wechselseitiger Prozess, welcher, wenn von beiden Partnern richtig ausgeführt, das jeweilige Charakterpotential des Gegenübert stärkt und somit auch die Diskussionsfähigkeit, was wiederum auch auf die Individuation wirkt.
Erfahrung im Mikrokosmos wirkt sich also langfristig im Makrokosmos aus, und auch hier wieder umgekehrt.
Ist der Wille zur Macht eingeschläfert ist auch die Diskussionsfähig davon betroffen.
Das Ergebnis ist, dass Menschen aneinander vorbei reden. Antworten fallen dann irrational, meist emotional aus. Auch findet keine Einsicht statt, da kann man seinem Gegenüber noch so oft etwas noch so gut erklären - verstanden wird es nicht, zumindest wenn wirklich kein Funke Wille unter der Oberfläche mehr schimmert.
Eine häufig angetroffene Problematik liegt in der Terminologie. Menschen reden dann vor allem aneinander vorbei, wenn ihre Begriffe nicht gleich interpretiert sind. Objektive und neutrale Terme haben für weniger aufgeklärte eine Konnotation, was zu Missverständnissen führt. Und da man unterbewusst weiß, dass man unterlegen ist, bemüht man sich sein Unwissen mit Emotionalität - oft Diffamierung - zu kaschieren, anstatt den Mut zu haben, nachzufragen, um Erläuterung zu bitten; dies ist ebenfalls eine Frage des Willens zur Macht, der Charakterstärke, zu sich selbst zu stehen und, darauf aufbauend, sein Wissen zu mehren.
Früh gelernt zahlt sich aus, denn im Alter ist es erschwerlicher, sich Wisse und Fähigkeiten anzueignen.
Ein Umfangreicher Wortschatz kann hier hilfreich sein, - ist hilfreich. Denn je größer der Wortschatz, desto größer ist auch das allgemeine Wissen. Der SChluss liegt nahe, dass Synonymkenntnis für die Fähigkeit spricht, Sachverhalte differenziert und multiperspektivisch zu betrachten.
Alle Ausführungen lassen immer wieder den Schluss zu, legen ihn sogar nahe, dass in der frühkindlichen Erziehung der Lebensweg des werdenden Menschen massivst beeinflusst wird. Wir sollten uns bestens überlegen, was wir unseren Kindern zumuten. Unsere Gesellschaft hat an Idealismus nachgelassen. Doch Idealismus ist ein Aspekt der Charakterstärke. Der Wille zur Macht ist, sich ein neues Ideal zu suchen, wenn das alte erreicht ist.
Aus gebührender Distanz betrachtetwird alle sieben Jahre ein Ideal erreicht, unter immer anderen Umständen, in immer anderen Zusammenhängen, denn zu den Jahrsiebten gesellen sich die Neunerperioden die das Leben erst so spannend machen.

13.12.2011

Unbequeme Wahrheiten

Vor kurzer Zeit wurde mir Al Gores umstrittener Propagandafilm An Inconvenient Truth aufgezwungen. Zwar ist es recht einfach zu durchschauen, welche Botschaft "Mr. Al Gore" dem Zuschauer vermitteln will und wie er dies anstellt, aber je länger der Film dauerte desto häufiger schlug ich mit der flaschen Hand an die Stirn und echauffierte mich gedanklich und auch beizeiten verbal, wie ein Mensch ihm dies bitte abkaufen (sogar im Wortsinne, doch dazu später mehr) kann.
Im folgenden möchte ich ein paar der Aussagen Gores auseinanderpflücken, tiefer analysieren und bei diversen die goresche Heuchlerei bloßstellen.
Vorweg sei gesagt, dass ich keinesfalls an dem Vorgang der globalen Erwärmung zweifle, dieser ist tatsächlich mit Fakten belegt, aber die Art und Weise, auf die Al Gore sie interpretiert, begründet und kommentiert ist mitunter an den Haaren herbeigezogen, um nicht zu sagen: falsch.

Gore behauptet, es sei unsere Aufgabe (gen Ende insbesondere die Aufgabe der Jugend), "unsere Erde" zu erhalten. Dies impliziert nun bereits den Besitzanspruch des Menschen an der Erde. Ihm geht es nicht darum, den Planeten zu erhalten sondern den Menschen. Dies kann man ihm ja nicht übel nehmen, ist es schließlich der natürliche Trieb nach Überleben, aber dann sollte er sich eben differenzierter Ausdrücken. Die Folgen, die durch diverse Erwärmungsprozesse entstehen sind eine Bedrohung für den Menschen wie er jetzt lebt - überall auf der Welt. Ob nun ganze Mohrenstämme verdursten, astasiatische Reisbauern überflutet werden oder die im Inland liegenden Städte von Flüchtlingswellen aus den Küstenregionen leiden. Ein im Film genannter Fakt weist auf das eigentliche Problem hin, aber Gore lässt ihn unkommentiert und impliziert auch nicht den daraus begründbaren Misanthropismus: Die Bevölkerung unserer Erde wuchs in den letzten 60 Jahren tatsächlich immens an. Über kurz oder lang wird dies eventuell zu einer Revolution von Unten führen, denn die reichen Industrienationen haben eher das Problem zu geringer Geburtenraten, während in den Slums der Vorstädte afrikanischer und südamerikanischer Megastädte ein Kind nach dem anderen das Geschenk des Lebens hält. Überbevölkerung wird ja auch gerne als eines der großen Probleme unserer Zeit genannt, dennoch eilen etliche Ehrenamtliche aus dem Okzident nach Afrika um den Menschen zu helfen. Hier gilt es sorgsam abzuwägen, was denn nun die christlichere Lösung ist: bei den Geburten helfen und die Kinder einem Leben voller Hungersnot, Bürgerkrieg und Vergewaltigung zu überlassen und dabei die Weltbevölkerung weiter bestärken oder die Menschen dort sich selbst zu überlassen, ob sie nun verhungern oder nicht, eventuell sogar durch Massenabtreibungen eingreifen um eine weitere Expansion der Bevölkerung zu verhindern.
Oder wir alle machen weiter wie gehabt, die Erde wird dadurch nicht untergehen. Wohl aber die Menschheit, wie wir sie kennen. Doch was ist schon die vergleichsweise unwichtige, da kurze, Menschheitsgeschichte gegen die Urkraft der Erde, die sich schon immer erhielt, sich nur, und damit alles Leben auf ihr, stetig veränderte?

Al Gore beschreibt auch ausführlich (und populistisch) den Treibhauseffekt. Auch dieser ist nicht zu verleugnen, aber die Rolle die Gore ihm zuschreibt ist zu groß und er vertauscht Ursache und Wirkung, wenn er die durchschnittliche Erdtemperatur und den Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre ins Verhältnis stellt. Denn er behauptet, die Erwärmung folge dem erhöhten Treibhausgasgehalt der Atmosphäre. Dies ist aber andersrum. Die Erwärmung der Erde folgt in erster Linie einer erhöhten Sonnenfleckenaktivität, über einen gewissen Zeitraum erwähnen sich dann die Ozeane (als Hauptverantwortliche der CO2-Produktion unseres Globus) und stoßen mehr CO2 aus, da allerlei Tiere darin durch die Wärme einen erhöhten Stoffwechsel haben, was also zu einem zu der Temperatur um einige Jahre zeitversetzen Anstieg des CO2-Gehaltes der Atmosphäre führt. Der Treibhauseffekt unterstütz dann Erwärmungsprozess, lässt aber auch nach, wenn die Sonnenfleckenaktivität sich reduziert. Das die Sonnenfleckenaktivität Ursache der Erwärmung ist, bestätigt uns nicht nur unser Blauer Planet, sondern auch manche Monde diverser anderer Planeten unseres Sonnensystems, deren Polkappen (wenn sie denn welche habe) schmelzen.
Gore empfiehlt zwar nicht direkt, impliziert aber, die Lösung sei, den von uns Menschen verursachten CO2-Ausstoß zu senken. 2,6%, das ist der Prozentsatz an durch den Menschen und seine Aktivitäten hervorgebrachten Kohlendioxids der Atmosphäre. Gore gibt einige Vorschläge, wie dieser auf 0,9% gesenkt werden kann, um so die globale Erwärmung aufzuhalten, gar zu revidieren. Man muss diesem Gedankengang mal genauer folgen:

-> CO2 in der Atmosphäre hält das Sonnenlicht auf der Erde und verursacht die globale Erwärmung.
-> Der Mensch deckt dabei 2,6% des CO2 ab.
-> Wenn wir nur für 0,9% verantwortlich wären, geht die Erwärmung zurück.

Lieber Herr Gore, haben sie schon einmal von dem Phänomen Photosynthese gehört? Es heißt, dieser Vorgang ermögliche erst das Leben auf Erden. Pflanzen können unter Lichternergie Kohlendioxid in Kohlenstoff umwandeln, den sie dann als Baustein für ihren eigenen Körper benutzen (sprich: zum wachsen), dabei entsteht als "Abfallprodukt" Sauerstoff (O2), den Lebewesen wie Tiere und auch wir, wir Menschen, zum atmen benutzen.
Und Sie behaupten jetzt tatsächlich, wenn wir weniger CO2 ausstoßen, nimmt der Gehalt in der Atmosphäre rapide ab und die bereits in ihren Anfängen stehenden Erwärmungsfolgen bleiben aus? Und was geschieht mit dem ganzen Gas, das bereits in der Atmosphäre bereits en masse vorhanden ist, verschwindet das einfach? Nein, es bleibt. Und es bleibt auch zuviel. Und es wird sogar mehr, nur eben nicht so schnell wie bisher. Bei allem nötigen Respekt, Herr Gore, entweder sind Sie einfach nur dumm oder Politik... oh! Sind Sie ja. Und deswegen schaffen sie es, etliche selbstbetitelte "Umweltschützer" zu motivieren, mehr Fahrrad statt Auto zu fahren. Toll!
Nun, hören wir auf mit dieser Polemik und weisen mal darauf hin, was "unserer Erde" tatsächlich helfen würde, die Erwärmungsprozesse zu reduzieren: Aufforstung. Verstehen Sie (und entschuldigen hoffentlich, dass ich schon wieder polemisch werde) diese simple und effiziente Logik, Herr Gore?

-> Der Treibhauseffekt unterstützt die Erwärmunsprozesse.
-> Bäume (Pflanzen generell) bauen CO2 aus der Atmosphäre ab und machen (für uns atembaren, ganz toll!) Sauerstoff daraus.
-> Bäume en masse, um nicht zu sagen: gigantische Waldareale, würden das CO2 rapide aus der Atmospähre ziehen und wir Menschen könnten weiter leben und produzieren wie bisher.

Nun, ich stelle mir die Frage:
WARUM ist Al Gore nicht in der Lage, diesen simplen Sachverhalt nachzuvollziehen, bzw. eigentlich tut er das wahrscheinlich.
Also eine andere Frage:
WARUM propagiert Al Gore eine ineffiziente Scheinlösung und WER PROFITIERT von seinen Vorschlägen?
Zu allererst ist da natürlich Al Gore selbst, der für seine Vorträge massiv Knete scheffelt (und dabei mit Flugzeug und Auto um die Welt reist, also ordentlich CO2 in die Atmosphäre schleudert - nun, da heiligt der Zweck bestimmt die Mittel, oder?).
Dann sind da natürlich Staaten und Staatengemeinschaften, die aus der inzwischen bestehenden CO2-Steuer Profit schlagen. Auch das ein interessantes Phänomen, das vom letzten großen Coup der Weltwirtschaft zeugt. Nachdem wir bereits für Essen und Trinken zahlen, zahlen wir nun finalement auch für's atmen. Nicht direkt, dass ließe sich nicht durchsetzen, aber indirekt, in dem Firmen dafür zahlen, dass sie CO2 produzieren. Dadurch werden die Produkte teurer und im Endeffekt zahlt jeder Bürger.
Die Wirtschaft profitiert dafür auf anderer Ebene, denn in der goreschen Lösung ist es nicht notwendig, Wälder zu erneuern. Stattdessen können wir weiter holzen, roden, brennen wie es uns beliebt, Papier bis zum geht-nicht-mehr verschwenden und auf Urwaldboden ein Jahr lang Soja anbauen bevor der Boden unfruchtbar wird. Ganz anders wäre es, wenn weitflächig wieder aufgeforstet werden würde, dann müsste diverse Firmen einpacken, je nach Lebensweise bedeutet dies aber auch einen unterschiedlich ausgeprägten Luxusverlust.

Wenden wir uns nun abschließend drei interessanten Punkten zu, die ich während des Konsums des Films feststellte. Sie alle haben einen gewissen Humor der in den Sarkasmus abdriftet inne, weisen daraufhin, dass Gore ein Heuchler ist oder sind einfach nur spitzfindig.

Der Film zeigt am historischen Beispiel der Verbindung von Tabakrauchen und Lungenkrebs, dass es dauert, bis die breite Masse an wissenschaftliche Erkentnisse glaubt und rechtfertigt so Gores Meinung zur globalen Erwärmung. Darum geht es hier aber nicht.
Diese Passage zeigt einen Schicksalsschlag in Al Gores Leben: Den Tod seiner Schwester an Lungenkrebs, die rauchte seit sie ein Teenager war (ja, hier soll auf billigste weise das Mitleid des Zuschauers erregt werden). Gores Vater, ein Tabakbauer, begann daraufhin die Tabakplantagen (CO2-Verarbeiter) abzuschlagen und sattelte um auf Rinderzucht (Methanproduzenten). Was ist denn nun schlimmer? Die paar Raucher, die an Lungenkrebs sterben oder die von Gore heraufbeschworenen katastrophalen Folgen der globalen Erwärmung?

Während Al Gore dem Publikum erklärt, wie sich der Anteil von durch den Menschen produzierten CO2 von 2,6% auf 0,9% reduzieren lässt, ist er unglaublich begeistert und sagt abschließen, wir könnten, wen wir wollen, sogar noch mehr einsparen und auf 0% kommen.
Von mir aus kann Al Gore als erster damit anfangen und allen anderen Idioten ein Beispiel geben. Immanuel Kant hätte hier wohl kategorisch gehandelt und rigoros aufgehört zu atmen.

Irgendwann in der ersten Hälfte des Filmes zieht Al Gore einen Vergleich, der den Film in Deutschland indizierungswürdig macht:
Es gäbe nur eine Katastrophe in der Weltgeschichte, behauptet er, die mit der globalen Erwärmung verglichen werden können, dann folgt ein Zitat von Sir Winston Churchill. Gore traut sich scheinbar nicht, die globare Erwärmung direkt mit dem Holocaust zu vergleichen, aber er implizert es. Denn das Churchill-Zitat bezieht sich explizit auf das III. Reich und somit den Holocaust. Da die bundesdeutsche Verfassung es aber unter Strafe stellt, den Holocaust zu negieren oder auch nur zu verharmlosen, müsste An Inconvenient Truth auf dem Index landen, dann spätestens seit dem Historikerstreit hat der Holocaust ein Alleinstellungsmerkmal, die größte Katastrophe der ganzen Menschheitsgeschichte zu sein. Jeder Vergleich damit ist also eine Verharmlosung. In Amerika hat Al Gore die Freiheit, diesen Vergleich zu ziehen (auch hier wieder nur um Emotionen zu erzeugen, denn wissenschaftlich ist er zu 0,9%, könnte das aber auf 2,6% aufwerten), in Deutschland müsste entsprechende Passage aber zensiert sein oder eben der ganze Film indiziert werden. Außerdem sollte der Verfassungsschutz Al Gore im Auge behalten, aber der hat ja derzeit genug eigene Probleme.

Zum Tagesgeschehen:
Kanada ist aus dem Kyoto-Abkommen ausgetreten, mit der Begründung USA und Australien sind ja auch nicht drin und China macht nichts für den Umweltschutz. Sofort hacken alle auf Kanada herum - ich lobe mir diesen Ausstieg mit dieser Begründung, den er führt unserer meckernden Gutmenschengesellschaft vor Auge, wie sich die größten Industrienationen um die Erde kümmern. Nun, Kanada hat auch einen Vorteil, da die dortigen Firmen nun doch keine CO2-Steuer zahlen müssen, aber da murrt der Grüne ja auch schon. Nun, ich denke ich habe im Verlauf gut genug erläutert, was ich von solchen Steuern halte. Hoffentlich kommt Kanada auf die Idee, ein paar Wälder aufzubessern (aber eigentlich haben die am wenigsten Probleme mit ihren Wäldern).

Es gilt: Aufforstung ist Umweltschutz im konservativen Wams.

12.12.2011

Für eine Dame

Tief in deinem Herzen, weiß ich,
Liebst du mich.
Tief in deiner Seele, spür ich,
Stiehlst du mich.

Und mein Herz hast du entrissen,
Schmatzend laut es aufgefressen.
Tief in meinem Herzen, weiß ich,
Lieb' ich dich.

Doch mein Herz ist mir entrissen,
Dein ist's nun. In langen Küssen
Hast du's aus mei'm Mund gesogen.
Nun ist's bei dir aufgehoben,
Unter deiner warmen Brust,
Die da woget unter Lust.
Und mein Herz fehlt mir zum lieben,
Es ist dein, kann dir nur dienen.

06.12.2011

Der Wunsch der Konservativen

Ein Gespenst geht um in Deutschland - das Gespenst des Konservativismus!
In allen Zeitungen des Landes wird diskutiert, gefordert, polemisiert aber nicht gehandelt. Im Internet verbreiten sich diese Diskussionen wie Lauffeuer und werden, je nachdem wo, auf höchsten oder auf niederstem Niveau fortgeführt. Und dabei kristallisiert sich heraus: die deutsche Politik deckt das Spektrum von Linksaußen bis zur Mitte, bricht dann plötzlich in einer tiefen Kluft ab, auf deren anderen Seite nur noch die Rechtsextremisten stehen. Nun, wo ist der Fehler? Genau! Die Demokratie bedarf nicht nur der Vielseitigkeit, sie bedarf der radikalen Vielseitigkeit, Alle Positionen müssen vertreten sein. Doch wie ein Kolumnist der der FAZ dies bereits kürzlich ausführte, haben es die Linken geschafft, den Begriff "rechts" zu pauschalisieren. Der gesunde Unterschied zwischen "rechts" und "rechtsextrem" oder "rechtsradikal" wird vom gemeinen Deutschen nicht mehr gesehen und sagt der überzeugte Konservative er sei rechts oder konservativ (oder rechtskonservativ) wird er sogleich gefragt, ob er ein Nazi (auch hier wird der Unterschied zum Neonazi nicht gemacht) sei.
Doch es gibt sie, die Konservativen. Sie tümmeln sich überall und doch nimmt sich keiner ihrer an, denn es gibt keine Partei für sie. Die Unionsparteien sind in die Mitte abgerückt und haben ihre Ideale verraten und ließen hinter sich die Schlucht, dahinter nur NPD/DVU und REP (die eigentlich irrelevant sind) - also die Extremen. Wo soll er hin, der rechte, der konservative Deutsche?

Konservativ sein, bedeutet im Wortsinne zu erhalten, aber der Konservative will nicht das gegenwärtige Erhalten. Er will etwas altes erneuern um es zu erhalten, oder er will, wie es die Konservative Revolution der 1920er wollte, etwas erschaffen, dass sich zu erhalten lohnt.
Wie die Welt sich verändert muss auch der Konservative seine Einstellungen anpassen. Konservativ heißt nicht, dass man Atommüll im Land lagert (auch wenn dieser dadurch konserviert werden würde), sondern das Land dahingehend zu erhalten, dass es nicht mit Atommüll verseucht wird.
Es heißt, Hellas und Golgatha seien die Säulen Europas. Dies sind Bilder. Ja, Griechenland kann wirtschaftlich untergehen, Griechenland kann gänzlich verschwinden, denn Griecheland ist irrelevant, zumindest das heutige Griechenland, sein Verlust würde höchstens die Vielseitigkeit der Völkergemeinschaft schaden. Aber Hellas, der griechische Geist also, die griechische Philosophie, die Mythologie und die Kunstästhetik, sie leben im Herzen des wahren Europäerst und dürfen nie aussterben. Noch viel größer ist aber das Mysterium von Golgatha! Der christliche Impuls, die Philosophie des Jesu Christ ist höchste Maxime im Handeln des konservativen Europäers; nicht, indem er regelmäßig in die Kirche geht, sondern indem er christlich lebt - ob er nun den Dreieinigen Gott anbetet oder auch nicht. Konservativ sein heißt also, das Gut Europa zu behüten und zu immer neuen Blüten zu bringen, durch Humanismus und Christlichkeit.
Europa - das ist die Gemeinschaft der Nationen, die sich eben diesen Traditionen verpflichtet fühlen und dadurch Brüder im Geiste sind. Dieser sollten sich einander achten und unterstützen, nicht aber einander kopieren. Sie bedürfen keiner kompletten Einheit auf juristischer und wirtschaftlicher Ebene, mehr noch, sie schadet ihnen, denn sie sind unterschiedlich und haben, tiefverwurzelt, ihre Unterschiede in ihrem Welt- und Menschenbild.

Die Jugend rebelliert an allen Ecken, viele sind nur graue Mitläufer, aber viele machen sich Gedanken und hinterfragen, kommen dabei jedoch zu unterschiedlichsten Antworten. Das Hier und Jetzt Bewusstsein führt zu dem, was gemeinhin und polemisch als Gutmensch bezeichnet wird, während das Allgegenwärtige Bewusst-Sein zu zwei extremen Punkten führt: dem Marxismus oder dem Konservativismus. Beide träumen von Utopien, der Marxist jedoch hofft auf den tumben Arbeiter und legt den Hammer an die Akropolis und die Sichel an Christus. Der Konservative aber baut ein Gerüst und restauriert den Tempel mit den Ziegeln die er aus dem Grabstein des Auferstandenen brennt.
Ein fundamentaler Unterschied liegt aber darin, dass die Marxisten zwar ebenso wie die Konservativen Intellektuelle sind, erstere bedürfen jedoch des Proletariates zur Revolution, zweitere aber des Bildungsbürgertums.
Nur haben die Konservativen auch ihre Probleme. Die entsprechenden Medien und Gemeinden bemühen sich verkrampft um Vergangenheitsbewältigung, die tiefe Wunde des III. Reichs im deutschen Fleisch zu heilen, stellen sich dabei aber mitunter sehr tollpatschig und unbeholfen an. Anstatt die Zeit zu akzeptieren, wollen sie sie gutreden. Es gilt nicht, die positiven Aspekte des NS-Regimes zu zeigen, auch nicht die Kriegsverbrechen und Ungerechtigkeiten, die an ihm geschahen, denn sie sind irreversibel, es geht darum, die positiven Aspekte des Deutschtums zu beleuchten, auf dass sie wieder ins Bewusstsein aller gelangen.
Gegenwärtige Vorgänge in Deutschland machen es aber nicht gerade einfach, die Schönheit der deutschen Identität zu preisen, denn die Aufdeckung der Verbrechen des NSU wird ausgiebigst besprochen und gerade hier entsteht wieder die diffamierung der Qualität "rechts" - beispielsweise dann, wenn ein "Bündnis gegen Rechts" eine Trauerfeier für die Opfer des NSU veranstaltet. Hier entlädt sich der undifferenzierte Hass gegen eine gigantische Gruppe von Menschen und führt zu Ablehnung von Menschen in einer solch drastischen Undifferenziertheit, dass sie dem III. Reich durchaus in Konkurrenz treten kann, aber das dem so ist, dass wissen wir seit Ignazio Silone.
Während die alten Konservativen noch der CDU/CSU nachtrauern, steht die Jugend hin und her gerissen zwischen diversen Idolen, undifferenzierten Parteien und voller Fragen, die ihr niemand beantworten kann, eben weil die Partei, die ihr entspricht, fehlt.
In der Jugend liegt die Zukunft, heißt es. Also nehmt sie in die Hand! Formt eine Partei nach den Maximen der Konservativen Revolution! Lehret den Menschen das Bewusste Sein im Hier und Jetzt und im Gestern und im Morgen! Dann steigt die Sonne wieder auf hinter den alten Tempeln, dann fügen sich die gebrochenen Säulen wieder zusammen, dann erstrahlt Deutschland, dann erstrahl Europa in neuem Glanz!

Konservative aller Bundesländer, vereinigt euch!

13.11.2011

Namen - Alles, nur nicht Schall und Rauch

Es gibt immer wieder Zeiten, in denen Menschen aus verschiedensten Gründen ihren Kindern einen Namen geben, den auch viele zur selben Zeit Neugeborene erhalten. Es gibt Listen, die dies belegen, es gibt Ratgeber, die frischen Eltern Empfehlungen aussprechen, welche Namen denn gerade in Mode sind.
Ich negiere hiermit die Redewendung "Namen sind Schall und Rauch!" und stelle folgende Thesen auf:
  • Der Name prägt den Lebensweg eines Menschen.
  • Der Name hat eine direkte Verbindung zum Gebursthoroskop.
  • Die Namensgebung ist irreversibel, ob nun mit oder ohne Sakrament vollzogen.
Ja, eines jeden Menschen Namen macht Sinn, vergleicht man seine Bedeutung mit Persönlichkeit und Lebensweg. Denn so gut wie alle Namen stammen aus archaischen Zeiten, auch wenn sie modernisiert und gebeugt und in etliche Sprachen übersetzt sind, und bergen somit Urkräfte in sich, diverse Archetypen die sich bis heute fortgesetzt haben und nur durch ihre starke Beugung in ihren Konturen verschwimmen.
Im Unterbewusstsein ist sich der Mensch immer der Bedeutung seines Namens gegenwärtig und nimmt ihn sich als Leitsatz, seinen Lebensweg zu beschreiten. Verschafft er sich Klarheit über seinen Namen, kann er Prozesse in seinem Leben nachvollziehen, deren Hintergründe ihm bisland verschleiert blieben.
Die heutige Gesellschaft besteht auch deshalb, weil viele Schichten in ihren gröbsten Denkmustern geeint sind durch einen Namen oder mehreren Namen aus einem bestimmten kulturellen Hintergrund. Man macht Witze, wie viele Eltern der Unterschicht ihre Kinder Kevin oder Jaqueline, doch es geschieht und niemand fragt: warum? - Ja, warum? Hier findet Vereinigung statt, Namen reduzieren sich auf einen, wo die Individualität langsam verblasst. Oder, drücken wir es positiv aus: wo Gemeinsamkeiten liegen. Ein radikaleres Beispiel ist, dass im 3. Reich viele kleine Adolfs auf die Welt kamen - wäre das Reich erhalten geblieben, hätten sie sich darin hervorragend zurechtgefunden, dann einigte sie aber doch ein heuchlerischer Antifaschismus in der Nachkriegszeit. Ein weiteres Beispiel ist, dass in kirchlichen Kreisen (Pastorenfamilien) biblische Name stets in Mode waren und die Kinder auch oftmals die väterliche Tätigkeit übernahmen. So sind auch Kulturkreise und Völker durch Namen geeint und in sich geschlossen. - Dem gegenüber steht selbstverständlich die Annahme, dass ein selten gewordener Name eine gewisse Absonderung vom allgemeinen Denken bedeutet. Der eigenartige Name führt zu eigenartigen ( d.h. individuellen) Denkmustern.

Wie also der Name dem Leben eine Richtung gibt, so tut es auch das Horoskop. Erstaunlich hierbei ist, dass sich diese Richtungen ähneln. Der Name passt ihn seinem Archetypus oftmals zum Charakterbild, dass sich aus dem Geburtshoroskop ergibt - ein Zusammenspiel, dessen Kenntnis uns hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen, nicht vom Lebensweg abzukommen.

Eine Namensänderung ist somit ein Betrug am eigenen Leben. Wer seinen Namen hat, trage ihn mit stolz, er ist gottgegeben, so oder so, gleichwohl welches Sakrament oder ob überhaupt eines an einem vollzogen worden ist. Denn der Name hat Funktion.
Dennoch gibt es Ausnahmen: Wer ein neues Leben annimmt, meist im religiösen Kontext, dem sei gestattet einen geistlichen Namen zu tragen, so wie es auch beispielsweise der Papst tut, der so mit seinem Papstnamen auch sein Programm bestimmt. Eine weitere Ausnahme besteht bei Doppel- oder Mehrfachnamen. Hier sind zwar alle Namen relevant, doch muss nicht unbedingt der erste der Rufname sein. Mein Bruder beispielsweise fühlte sich bereits als kleines Kind nicht wohl mit seinem Erstnamen und machte seinen Zweitnamen zum Rufnamen. Eine dritte Möglichkeit ist das anfügen weitere Zunamen resultierend auf Erfahrungen, die einen einen weiteren Namen annehmen lassen oder die Bildung eines Pseudonyms um, beispielsweise als Künstler, etwas unter einem bestimmten Aspekt zu veranschaulichen.

Wären Namen also tatsächlich Schall und Rauch, nun, dann bräuchten wir sie nicht, dann gäbe es sie auch nicht mehr. Doch sie sind relevant, nicht nur um Dinge und Personen unterscheiden zu können sondern auch um anhand der Namen Hintergründe zu verstehen, Persönlichkeiten zu erfassen, Charakteristika. Dies liegt nicht nur im Namen sondern in jedem Substantiv (Nomen) überhaupt. Hier ist es interessant, phonetische Wurzeln zu vergleichen um so Gemeinsamkeiten zu erkennen. So basieren die Worte Licht und Klang beispielsweise auf der selben Wortwurzel (Namen wäre also auch Licht). Weiterführend hierzu empfehle ich jedem das Buch Nada Brahma: Die Welt ist Klang samt den zugehörigen Klangbeispielen.

07.11.2011

Die Seele

Dem Mensch gibt Zusammenhalt von Körper und Geist die Seele; sie speist erst Leben in das Organische, bringt Geist in totes Fleisch und ermöglicht ein Leben auf geistiger Ebene, dass über den Trieb der Arterhaltung hinaus geht.
Zahlreiche Bezüge zwischen dem menschlichen Organismus und dem Universum beweisen, dass der Körper ein Mikrokosmos des Makrokosmos des Alls ist. Die ordnend-kosmische Kraft des Universums ist die Urgottheit, die alles Sein durchdringt, die Seele aber ist der göttliche Funken im Leib, die individuelle den ganzen Körper durchdringende Göttlichkeit eines jeden Menschen.
Die Seele ist das Bindeglied zwischen Menschengeist und Gottgeist und auch das göttergleichste des Menschen. Ihre Verbindung zum Körper ist eine Lebenszeit allgegenwärtig, sie durchdringt jede Faser, jedes noch so kleinste Teilchen unseres Körpers und umhüllt ihn als das, was als Aura bezeichnet wird. Ihre Verbindung zur Göttlichkeit ist ebenso allgegenwärtig, aber ewiglich und über der Physis auf der Ebene des Göttlichen, die sich unserer Vorstellung entzieht. Die Seele ist also auch Engel, der persönliche Engel, der "Schutzengel", der jedem Menschen eigens zugeteilt ist, der ihn auf seinem Lebensweg leitet.
Der Mensch ist sich seiner Seele selten konkret bewusst oder sie entzieht sich seiner Vorstellung. Dennoch macht sie sich verschiedenst bemerkbar - als das, was dann gemeinhin Intuition, Zufall oder Glück genannt wird. Sei es beim instinktiven Ahnen von Geschehnissen, denen vorzeitig ein Ausweichreflex nachgeht (sei es im Kleinen, wie dem Ausweichen eines herabfallenden Blumentopfes, oder im Großen, wo durch eine Verstrickung von Ereignissen verhindert wird, dass man das Flugzeug besteigt, dass wenige Stunden später abstürzt), beim fühlen der Umgebung beim Bewegen durch den Raum (insbesondere in Dunkelheit oder Ungewissem wie dem Rückwartsgehen) oder bei dem göttlichsten und lebenswichtigsten Geschehnis überhaupt: der Liebe. All dies sind Seelengeschehnisse, ob es nun die Aura um uns ist, die uns das wahrnehmen des Unsichtbaren ermöglicht oder der aktiv eingreifenden oder leitende Engel.
Erst die Seele ermöglicht es uns, neue Gedanken zu formulieren, denn sie ist das Göttlich-Schaffende, aber ein Mikrokosmos nur, ein Teil der großen Urgottkraft, ein schöpferischer Demiurg und als solcher unvollkommen.

Anders als der sterbliche Leib, der sie zeitweise beheimatet, ist die Seele unsterblich und allgegenwärtig, was also bedeutet, dass eine Reinkarnation stattfindet.
Die Seele inkarniert sich in den Körper, der ihren individuellen Bedürfnissen angepasst ist. Bedürfnis ist in diesem Falle allein die Vollkommenheit, die Wieder-Einkehr in die Urgöttlichkeit. Dazu inkarniert sich die Seele durch viele Menschenleben um in allen Aspekten des Seins gelebt zu haben und so sich der Vollkommenheit anzunähern.
Das Phänomen der Seelenverwandtschaft tritt da auf, wo sich zwei Individueen treffen, deren Seelen sich entweder auf dem gleichen Entwicklungsstand befinden (wobei dies die seltenere Variante ist, da die Entwicklung an sich meist sehr variabel ist) und sich so gegenseitig auf ihrem Weg unterstützen können, oder momentan nach den selben Aspekten streben, deren Ausbildung und Entwicklung das derzeitige Leben ihnen dienen soll und sich so unterstützen.
Der Prozess der Inkarnation selbst ist unabhängig von Raum, insbesondere aber auch von Zeit. Die selbe Seele kann also durchaus an verschiedenen Orten gleichzeitig existieren, aber in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Das zwei seelenidentische Menschen aufeinandertreffen ist aber höchst unwahrscheinlich, wenn dem aber der Fall ist, ist davon auszugehen, dass sich diese beiden gegenseitig so stärken, dass eine Auswirkung auf weitere Menschen und deren Seelen höchstwahrscheinlich ist. Dennoch, es ist äußerst unwahrscheinlich und hängt wohl mit weiteren besonderen kosmischen Vorgängen wie Äonenwechsel zusammen (hier sei auf die Theorie der zwei Jesusknaben als Beispiel verwiesen, ein ähnliches Phänomen behandelt, wenn auch äußerst kitschig, der Film Little Buddha).
Die Ausbildung und Entwicklung der Seele läuft also als Makrokosmos parallel zur Ausbildung und Entwicklung des irdischen Menschen, die, wenn sie einen gewissen Grad erreicht hat, aber von der Seele profitieren kann, schließlich sind Seele, Körper und Geist in Symbiose. So entstehen neue große Gedanken in allen Bereichen, ob philosophisch oder naturwissenschaftlich, so entwickelt sich die Menschheit als Ganzes weiter, so bleibt ihre kontinuierliche Wechselwirkung mit der Erde und dem Universum auch wirklich kontinuierlich und so vervollkommt sich nicht nur die individuelle Seele sondern macht auch den anderen ein Novum aus dem Allwissen der Urgöttlichkeit zugänglich.
Doch warum dies so groß halten? Wie bereits erwähnt, ist die Aura auch Seele. Wenn sich also Auren berühren, findet unter den Seelen ein Austausch statt - von Energie, von Wissen, Information, wer weiß? Jede körperliche Berührung ist also auch immer ein Seelenkontakt. Eine besondere Form der Seelenverbindung macht hierbei die Liebe aus, in all ihren Facette. Hier ist die Mutterliebe am einfachsten zu verstehen, schließlich war die eigene Aura lange in der Mutteraura eingeschlossen und durch das Milchtrinken wird der Konktakt noch weiter aufrechterhalten, bis er mit der Zeit abebbt. Die Liebe zu einem Lebenspartner wiederum funktioniert in gegengesetzte Richtung, man will die Auren, die Seelen zusammenführen, versinnbildlicht im Kuss und insbesondere im Geschlechtsverkehr. Dem hinzu kommt der soziale Akt der Fortpflanzung, dass sich Teile beider Seelen das stärkste ihrer demiurgischen Fähigkeiten freizusetzen und so unter Opfer den Leib für eine weitere Seele zu schaffen. (Die Homosexualität ist insofern demnach auch als Störung zu verstehen, als dass sie nicht über die Vereinigung der Seelen hinausgeht, ihr fehlt das Schöpferische.)

Wenn die Seele aber nun durch Raum und Zeit gereist sich unzählige Male inkarnierte, sich ausbildete, ausdehnte, entwickelte und von allen anderen ein Stück der göttlichen Kraft aufnahm, dann kann sie einkehren in die urgöttliche Ewigkeit, ist nicht mehr Teil, ist nicht mehr Mikrokosmos sondern ist Kosmos, ist All-Ein und kann sich erneut millionenfach aufspalten, die Menschheit durch neue Äonen zu geleiten, als Aura, als Seele, als Engel und in ewigem Kreislauf wieder als die Gänze der Urgottheit.

04.11.2011

Preiset Mondenschein

Aus Vollmondphasen sternenklarer Nächte
Im Buch der Tage nicht bennant, verborgen,
Verwaschen fließen - rein nicht, gar verdorben -
In stiller Flut die warmen, roten Bäche.

Es sei ein Billd aus Jugendblütenschächten.
Nach achtundzwanzig Tagen frischer Morgen,
So reift die Frucht, durch Schmerzen frei von Sorgen;
Nun ist die Zeit von Sorgen frei zu fechten.

Erst Helios lässt Luna hell erstrahlen,
Dass Wölfe ihren Fahlweißglanz ihr preisen
Und auf den blutig roten Fährten trotten.

So sollen Männer die Geschöpfe jagen,
Die rostig duftend Fruchtbarkeit beweisen,
Und lindern ihre Pein mit Kraft und Spotten.

03.11.2011

Alkohol

Alkoholische Getränke waren und sind allgegenwärtig. Sie haben zentrale Rollen in kultischen Handlungen, bei gesellschaftlichen Anlässen und jeder Mensch hat irgendeine Beziehung dazu.
Die alkoholische Gärung ist ein Mysterium, dessen Kraft sich schon die ältesten Kulturen bewusst waren und es sich zu Nutze machten.
Die älteste Form ist hier zweifelsfrei der Wein, im Besonderen der Honigwein, der bei den Germanen nicht nur in den Sagen als Dichterwein, der die Kreativität weckt, besungen wird, sondern auch außerhalb der Götterwelt von den Menschen getrunken wurde, sowohl kultisch als von den Goden geweihter Trunk, der mitverantwortlich war für die Berserkerkraft als auch gesellschaftlich, Hörnerkreisen am Lagerfeuer während man vor dem geistigen Auge die Vorfahren auferstehen ließ. Allerneueste archologische Funde bestätigten auch, dass bereits die alten Ägypter vergorenen Honig tranken, zu welchem Anlass ist allerdings noch nicht erforscht. Der Fruchtwein ist einer neuere Erscheinung aber auch bereits schon Jahrtausende alt, war aber stets gesellschaftlicher Trunk, der in Maßen zu Festlichkeiten und Soireen genossen wurde. Erst mit dem Christentum wurde der Wein in die kultische Handlung mit einbezogen. Der Schaumwein, bzw. ins besondere der Sekt ist heute die gängige Form eines Empfangs, ob auf gesellschaftlicher, politischer oder künstlerischer Ebene; der Sektempfang ist gerne gesehen.
Bier hingegen ist ein irdisches Getränk, es lastet schwer im Körper, sättigt und wird, anders als der Wein, in Massen konsumiert, ist dazu sogar gedacht. Der Bierrausch ist ahrimanisch.
Hochprozentige Getränke, Schnaps und Likör, sind wiederum ganz anders gedacht, sie dienen im eigentlichen Sinne nicht dem Rausch sondern als Medizin, oder, wenn mit Rausch verbunden der Betäubung. In diesem Sinne auch der Verdauungsschnaps, er ist ein Beitrag zum allgemeinen Wohlbefinden.

Unsere hedonistische Welt kennt in puncto Alkohol ja beinahe nur noch SAUFEN! oder militanten Antialkoholismus, wenn auch seltener Letzters. Einen differenzierten Umgang mit diesem hohen Gut hat heute kaum noch jemand und so möchte ich hier niederschreiben, wie ich es mit dem Trinken halten.
Wein ist in erster Linie für mich ein den Geist anregendes luziferisches Getränk, dass ich am liebsten alleine zum kreativen Prozess oder mit einem Diskussionspartner an ruhigen Abendsn trinke. In jedem Fall löst er Blockaden, die einen weiter und freier denken, sprechen und schreiben lassen, mit jedem Schluck besteigt man eine weitere Stufe der Treppe der Vergeistigung. Dies gilt allerdings in erster Linie für rote Weine, hier sei anbei der Sizilianer Nero D'Avola von Avogadri Luigi empfohlen. Weißwein trinke nur selten, meistens zu entsprechendem Essen, Met ist mir über geworden und Sekt bereitete mir schon immer Kopfschmerzen.
Bier hingegen ist Gesellschaftsgetränk, kann ich massig und endlos trinken bis der Rausch mich gänzlich zur Erde zieht. Doch so vielfältig die Auswahl ist, so sind auch die Geschmäcker. Vom Fass frisch gezapft mundet mir eigentlich so gut wie alles, doch selten hat man ein Fass zur Hand. Also gilt Folgendes in erster Linie für abgefülltes Bier. Pilstrinker war ich noch nie, es gibt ein paar Marken, die mir schmecken, Flensburger sei hier genannt, als auch die tschechischen Pilse, also die Ursprünge. Doch allgemein ist es der herbe Geschmack, der mir nicht mundet. Gleiches gilt für dessen Kontrast, das fruchtige Weißbier. Aber wo wir gerade in Bayern sind: Helles schmeckt mir wiederum, doch begründen kann ich es nicht. Was ich begründen kann, ist meine Vorliebe für dunkle Biere. Malzige Töne, Nuancen von Nuss und eine angenehme Bitterkeit machen diese zu meinen liebsten Bieren, zum Schwarzbier, zum anderen Altbier. Zwar sind diese Biere sehr sättigend aber dennoch gut trinkbar und bereiten einen besonders erdlastigen Rausch. Biermischgetränken bin ich eher abgeneigt, doch ein selbstgemischtes Radler an warmen Sommerabenden ist auch wunderbar, erfrischend und erdbewusst zugleich.
Kommen wir zum Hochprozentigen. Schnaps in Reinform ist für mich meist Medizin, Wärmespender im Winter und dennoch auch zu gegebenem Anlass das Mittel, einen schnellen Rausch herbeizuführen. Zudem sei noch der gute, torfig-rauchige Scotch genannt, der für mich ähnlich wie der Wein aber auf einer anderen, nicht genau definierbaren Ebene wirkt.
Anders verhält es sich mit Longdrinks und Cocktails, letzter konsumiere ich selten, erstere aber umsohäufiger. Ein guter Gin Tonic schmeckt nach Mandarine! Diese Weisheit habe ich inzwischen erkannt aus dem Konsum dieses meines eigentlichen Lieblingsgetränkes mit Alkoholgehalt. Es ist dekadentes und durchsichtiges Getränk, das von vielen verkannt und von Kennern geschätzt wird. Ich fühle mich stets wie eine einsame Insel der Hochkultur während um mich herum jedermann Whiskey Cola süffelt - wie kann man nur dies Getränk verehren, dessen Basis Bourbon bildet? Die Amerikaner haben es noch nie verstanden, Whiskey herzustellen.

Die regelmäßigen Besäufnise frühere Zeiten sind Jugendsünden, Erfahrungen, die man sammeln muss. Inzwischen halte ich es anders, vertrage aber auch mehr. Sind es zu gesellschaftlichen Anlässen und Versammlungen in erster Linie Bier und Longdrinks, mit denen ich die Stimmung unterstütze, lasse ich mit Wein oder Scotch einen schönen Tag ausklingen. Maß und Selbsbewusstsein sind Notwendigkeiten für einen gesunden Umtrunk. Wer sich und sein Maß kennt, der trinkt über einen Abend so hinweg, dass er den gesunden Rauch, nicht aber die unkontrollierte Trunkenheit hat. Wer nicht trinkt, weil er denkt, es schade seinem Körper, kennt sein Maß nicht und muss sich in Selbstbewusstsein schulen.

PS: Dieser Artikel ist nicht ganz geworden, was ich vorhatte, trotz einem Glas Rotwein über den Schreibprozess verteilt. Vielleicht kommt noch ein zweiter Teil zu diesem Thema. Prost!